Schwalbenschwanz

Biodiversitätsstrategie wird begrüsst

  • Stefanie Pfefferli
  • -

Darauf hat die Schweiz seit 1995 gewartet: dass der Bundesrat endlich eine griffige Biodiversitätsstrategie vorlegt, um dem anhaltend starken Verlust an biologischer Vielfalt wirksame Massnahmen entgegenzuhalten. Der Schweizer Vogelschutz SVS und Pro Natura begrüssen den Entwurf der Strategie Biodiversität Schweiz als wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

Die Biodiversität ist nicht nur in fernen Ländern gefährdet. Im Gegenteil: Hier in der Schweiz ist die Bedrohung sogar noch grösser wie anderswo in Europa. Von den grösseren Flüssen sind gerade mal 5% in ihrem natürlichen Zustand erhalten geblieben – bei den Mooren sind es 12%, bei den Trockenwiesen und -weiden 4% und auch die Hochstamm-Obstbäume wurden auf höchstens 20% dezimiert. Bei den meisten Artengruppen ist ein Drittel bis die Hälfte aller Arten unseres Landes ausgestorben, gefährdet oder potenziell gefährdet. Über 50% Gefährdung weisen Flechten, Säugetiere, Vögel, Amphibien und Reptilien (beide sogar je über 70%) und Fische auf. Dieser Verlust an Biodiversität droht nicht nur unsere Lebensgrundlagen zu zerstören, sondern beeinträchtigt auch die Attraktivität der Schweiz zum Beispiel als Tourismusland. Die Biodiversität ist die wichtigste natürliche Ressource unseres Landes. Jetzt will der Bundesrat endlich handeln: Die Schweiz soll als eines der letzten Länder der Welt eine Biodiversitätsstrategie erhalten. Am 16. Dezember geht die Vernehmlassung zum Entwurf des Bundesrates zu Ende.

Umfassender Erhalt der Biodiversität nötig
Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz fordert seit Jahren, dass die Schweiz endlich ihre Verantwortung für die biologische Vielfalt wahrnimmt. Er begrüsst deshalb den Entwurf des Bundesrates als Schritt in die richtige Richtung. Gut an der vorliegenden Strategie Biodiversität Schweiz ist, dass sie den Schutz und die Förderung der Vielfalt der Ökosysteme, der Arten und der Gene als sektorübergreifende Aufgabe von Bund, Kantonen, Gemeinden und Privaten begreift.

Noch zu verbessern ist aber der Einbezug vieler dieser Politikbereiche, vor allem betreffend der Wirtschaft, des Handels, des Finanzsektors, der Gesundheitspolitik, der Entwicklungszusammenarbeit und der Raumplanung. Agieren ist besser als reagieren – das gilt erst recht für die Biodiversität. Deshalb verlangt der SVS/BirdLife Schweiz, dass künftig bei allen Beschlüssen des Bundes und der Kantone deren negativen Auswirkungen auf die Biodiversität genau abgeklärt und vermieden werden. Das gilt ganz besonders bei Beiträgen der öffentlichen Hand: Subventionen dürfen die biologische Vielfalt nicht mehr schädigen.

Entscheidender Aktionsplan
Soll die Biodiversitätsstrategie die erhoffte Trendwende beim weiterhin starken Biodiversitätsverlust der Schweiz bringen, muss sie deutlich konkreter werden. Der SVS/BirdLife Schweiz macht in seiner Stellungnahme viele Vorschläge für die nötigen Verbesserungen: Die Ziele müssen griffiger, die dringenden Massnahmen in allen Sektoren und Politikbereichen klar aufgezeigt und die nötigen Mittel genannt werden.

Wenn der Bundesrat im nächsten Frühling die Biodiversitätsstrategie beschliesst, soll sie innert 18 Monaten mit einem Aktionsplan konkretisiert werden. Viele entscheidende Fragen zum Umgang der Schweiz mit ihrer Biodiversität werden erst bei der Erarbeitung des Aktionsplanes geklärt werden. Bereits jetzt muss aber bei allen sich bietenden Gelegenheiten die Biodiversität besser berücksichtigt werden, vor allem bei der Revision des Raumplanungsgesetzes und bei der Agrarpolitik 2014-2017. Nur so wird es der Schweiz gelingen, die Biodiversitätsziele 2020 zu erreichen.

Weitere Informationen

Bild: Livorno (Wikimedia Commons)

Beitrag kommentieren