Biodiversitäts-Abkommen

  • Gavino Strebel
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Wiese-MarkusJennyKopenhagen hat die Hoffnungen vieler auf einen effektiveren Naturschutz enttäuscht. Dabei ist der Klimawandel nur ein Aspekt der Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlage. Die Zahl funktionierender Ökosysteme, die uns sauberes Wasser, Nahrung und Lebensraum liefern, nimmt dramatisch ab. Bis 2010 sollte diese Entwicklung aufgehalten werden. Auch dieses Vorhaben wird fehlschlagen. Dieses Jahr werden bei der UN-Vertragsstaatenkonferenz die Weichen neu gestellt.

Aus Sicht der Biodiversitätsforschung ist 2010 ein Schaltjahr, denn man erhofft sich endlich die notwendige Aufmerksamkeit für das wahrscheinlich größte Problem der nächsten Generationen: Dem rasanten Schwund der biologischen Vielfalt. Auf dem „World Summit on Sustainable Development“ 2002 in Johannesburg hatten die UN-Mitgliedstaaten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) das frisch angebrochene Jahr als Zielmarke für eine deutliche Verminderung des dramatischen Verlusts der Biodiversität festgelegt. Doch der Schwund der Artenvielfalt geht weltweit unvermindert weiter. Und damit schwindet auch die Lebensgrundlage unserer eigenen Art.

Da die 2010-Ziele verfehlt werden, wird nun analysiert, was die Gründe für den Misserfolg waren und was verbessert werden muss. Ähnlich einem Kyoto-Nachfolgeprotokoll im Klimabereich soll auch für den Erhalt der Biodiversität ein politischer Folgeplan aufgestellt werden. Bis Oktober zur internationalen Vertragstaatenkonferenz der CBD, der COP10, in Japan müssen konkrete Vorschläge für das weitere Vorgehen stehen. Bei der Trondheimkonferenz im Februar wollen Forscher aus aller Welt neue Wege aufzeigen. Ausserdem entscheiden sich die Vertragsstaaten im April für oder gegen ein wissenschaftliches Beratungsgremium zu Biodiversitätfragen, ähnlich dem Weltklimarat IPCC in Klimaangelegenheiten. Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) soll das Konsortium heißen.

Doch wozu brauchen wir eigentlich Biodiversität? Es sind intakte Ökosysteme, die Menschen auf der Welt mit lebensnotwendigen Ökosystem-Dienstleistungen versorgen. Bisher wurden sie als selbstverständlich und unendlich betrachtet und stark übernutzt – vor allem durch Landnutzung, Entwaldung und Klimawandel. Doch immer deutlicher werden die Alarmzeichen, dass essenzielle Elemente und Funktionen wie sauberes Wasser, Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen, CO2-Speicherung oder Regen durch kühlende Wälder durch menschliche Aktionen gefährlich verknappt werden. Diese für den Menschen lebensnotwendigen Dienste werden inzwischen auch ökonomisch beziffert. Nach der TEEB-Studie (The Economics of Ecosystem Services and Biodiversity) ist der Erhalt der Ökosysteme und ihrer Dienstleistungen in allen Fällen deutlich günstiger als deren Verlust durch andere Maßnahmen auszugleichen.

Informationsdienst Wissenschaft (idw)

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