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Biodiversität wirkt

  • Silvan Kaufmann
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(Foto Markus Jenni, biodiversity.ch)

Lange Zeit standen der Schutz der Arten und ihrer Lebensräume bei den Bemühungen für die Biodiversität im Zentrum des Interesses. Doch die Ökosysteme und ihre Arten erbringen auch Leistungen, die für das Leben der Menschen essenziell sind, wie neuste Forschungsergebnisse zeigen. Am diesjährigen «Swiss Forum on Conservation Biology» des Forum Biodiversität Schweiz, das am Freitag in Bern stattfand, standen diese Leistungen im Mittelpunkt der Referate und Diskussionen. Rund 180 Fachleute aus Forschung, Verwaltung, Naturschutz und Wirtschaft haben sich an der Tagung in Bern eingefunden, um neue Erkenntnisse zur ökonomischen, ökologischen und soziokulturellen Bedeutung der Biodiversität zu diskutieren.

Die Liste, die dabei zusammenkam, ist beeindruckend: So ist die Ernte bei denjenigen Landwirtschaftskulturen, die durch Insekten bestäubt werden, viel höher, wenn die Bestäuberfauna vielfältig ist. Eine intakte Biodiversität im Boden sorgt für fruchtbare Böden, indem organische Abfallstoffe in einfachere anorganische Bestandteile umgewandelt werden, die dann den Pflanzen wieder als Nährstoffe zur Verfügung stehen. Biodiversität ist aber auch eine Versicherung gegen Extremereignisse. Die besten Leistungen erbringen dabei Wiesen und Wälder mit einer intakten Vielfalt. Denn artenreiche Wiesen trotzen heissen Sommern und garantieren qualitativ bessere Erträge als intensiv genutzte, artenarme Wiesen. Und in der Forstwirtschaft setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass man mit Mischbeständen besser gegen den Klimawandel gewappnet ist als mit Monokulturen. Viele dieser Ökosystemleistungen lassen sich damit auch ökonomisch bewerten. Angesichts dieser Bedeutung der Biodiversität betont Daniela Pauli, Geschäftsleiterin des Forum Biodiversität Schweiz: «Die Leistungen der Ökosysteme und ihrer Arten sind uns heute noch zu wenig bewusst. Doch sie sind für das Leben und Überleben der Menschen wesentlich – und damit ein weiterer wichtiger Grund, zur Biodiversität Sorge zu tragen.»

Neben diesen herausragenden Leistungen der Ökosysteme ist die Biodiversität auch in ästhetischer Hinsicht schützenswert. So konnten Forscher zeigen, dass den Bewohnerinnen und Bewohnern im Berggebiet als auch im Mittelland ein vielfältiges Landschaftsbild mit hoher Biodiversität am besten gefällt. Und schliesslich sind wir auch aus ethischer und moralischer Sicht zum Schutz der Biodiversität verpflichtet.

Allerdings steht es um die Biodiversität in der Schweiz nicht zum Besten. Rund 40 Prozent der hierzulande vorkommenden Arten gelten als gefährdet. Zwar haben die in den letzten 20 Jahren ergriffenen Massnahmen diesen Verlust bremsen, aber nicht anhalten können. Es ist für unsere Gesellschaft wichtig, dass die herausragenden Leistungen der Ökosysteme und der darin lebenden Arten von der Gesellschaft als zentrale Lebensgrundlage verstanden und volkswirtschaftlich verstärkt berücksichtigt werden. Dies gilt es, auch in der Biodiversitätsstrategie angemessen zu berücksichtigen.

Die Erhaltung der Biodiversität ist ein Grundauftrag der Bundesverfassung und zusätzlich eine internationale Verpflichtung im Rahmen der Biodiversitätskonvention, welche die Schweiz 1994 ratifiziert trat. Das Parlament hat im September 2008 die Ausarbeitung einer Strategie zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität in das Legislaturprogramm 2007-2011 aufgenommen. Gemäss Bundesratsbeschluss vom 1. Juli 2009 soll die Biodiversitätsstrategie Schweiz bis Mitte 2010 dem Bundesrat vorgelegt werden, damit dieser das weitere Vorgehen festlegen kann.

Biodiversity.ch

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