© Andreas Kay [CC-BY-SA-3.0], via flickr
© Andreas Kay [CC-BY-SA-3.0], via flickr

Biodiversitätkonferenz: Handlungsbedarf riesig

  • Roman Vonwil
  • -

Vom 6.-17. Oktober 2014 findet in Südkorea die weltweite Biodiversitätskonferenz statt. Bereits am ersten Tag der Konferenz haben die 192 Staaten, welche die Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity) unterzeichnet haben, eine Zwischenbilanz gezogen, wie die Länder der Welt den Plan zur Rettung der biologischen Vielfalt umsetzen. Dabei zeigte sich: Der Handlungsbedarf ist gross, und nur mit grossen zusätzlichen Anstrengungen wird es möglich sein, die Biodiversitätsziele 2020 zu erreichen. Das gilt auch für die Schweiz. Der SVS/BirdLife Schweiz, der für die Umweltorganisationen die Arbeiten am Aktionsplan Biodiversität koordiniert, und Pro Natura erwarten vom Bundesrat, dass er rasch die nötigen Massnahmen beschliesst.

Der Biodiversitätsverlust in der Schweiz und weltweit ist noch nicht gestoppt. Deshalb haben sich die in der weltumspannenden Biodiversitätskonvention zusammengeschlossenen 192 Staaten, darunter die Schweiz, auf Biodiversitätsziele 2020 geeinigt. Nur wenn diese erreicht werden, lassen sich die unverzichtbaren Leistungen der biologischen Vielfalt für die Erde sichern und wo nötig wiederherstellen.

Die heute eröffnete weltweiten Biodiversitätskonferenz (Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention CBD) in Pyeongchang in Südkorea hat eine wichtige Zwischenbilanz zum Zustand der Biodiversität gezogen: Von 56 Teilzielen werden mit den bisherigen Massnahmen bis 2020 nur deren 5  zu erreichen sein, für alle anderen braucht es grosse Zusatzanstrengungen aller Staaten.

Die Schweiz steht dabei keinesfalls besser da als die anderen Länder. Nur einen Fünftel der Teilziele kann unser Land mit der heutigen Politik erreichen, für die übrigen vier Fünftel braucht es zusätzliche umfassende Massnahmen. Das zeigt der aktuelle Nationalbericht der Schweiz zum Zustand der biologischen Vielfalt . Über alle Teilziele gesehen steht die Schweiz nicht besser und nicht schlechter da als die übrigen Ländern. Besser ist sie bezüglich des Schutzes der Waldfläche, der nachhaltigen Fischerei, des Umgangs mit eingeführten invasiven Neobioten, der Artenförderung und der Berücksichtigung der lokalen Bevölkerung.

Schlechter ist die Schweiz zum Teil unerwarteterweise bei der Wahrnehmung des Zustandes der Biodiversität, bei der Berücksichtigung des Werts der Biodiversität, bei der intensiven Landwirtschaft, bei den Schutzgebieten und der Umsetzung ihres Schutzes, beim Gefährdungsgrad bedrohter Arten, bei der  auf Fliessgewässer beschränkten Wiederherstellung von bedrohten Lebensräumen und bei der Tatsache, dass die Schweiz den Aktionsplan Biodiversität erst in nächster Zeit beschliesst.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat den Bundesrat bereits vor einigen Jahren gerügt, dass der Gefährdungsgrad von verschiedenen Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz verglichen mit anderen Ländern besonders hoch ist. Sie verlangte, dass der Bundesrat rasch die Strategie und den Aktionsplan Biodiversität Schweiz beschliesst und umsetzt. Die Biodiversitätsstrategie der Schweiz besteht seit 2012, doch muss sie nun dringend durch den Aktionsplan Biodiversität mit griffigen Massnahmen konkretisiert werden.

Ein Schwerpunkt der Arbeit der Biodiversitätskonferenz wird in den nächsten zwei Wochen bei der Aufstockung der nationalen und internationalen Finanzierung zur Sicherung der Biodiversität liegen. Der Bundesrat hat Ende September zugesagt, die bereits an der letzten Konferenz 2012 beschlossene Verdoppelung der internationalen Mittel nun mitzutragen. Es braucht aber auch deutlich mehr Mittel für die Biodiversität in der Schweiz.

Der SVS/BirdLife Schweiz fordert vom Bundesrat, dass er dem Biodiversitätsverlust mit dem Aktionsplan Biodiversität wirksame Massnahmen entgegensetzt, um die Vielfalt der Lebensräume, Arten und Gene zu schützen. Die dafür nötigen Mittel seien eine Investition, die sich auszahlt, indem die immensen Ökosystemleistungen auch in Zukunft funktionstüchtig bleiben.

Auch Pro Natura fordert angesichts der Erkenntnisse aus dem Bericht vom Bundesrat die sofortige Umsetzung dringender Massnahmen in der Schweiz, damit die Ziele der Biodiversitätskonvention erreicht werden. Die konkreten Forderungen von Pro Natura sind:

  • die Einrichtung und ein wirkungsvolles Management einer ökologischen Infrastruktur zum Schutz der Schweizer Fauna, Flora und Habitate, bestehend aus Schutzgebieten auf 17% der Landesfläche sowie Vernetzungsflächen, welche diese verbinden
  • die rasche Verabschiedung des im vergangenen Jahr partizipativ erarbeiteten Aktionsplans
  • die Lancierung einer Kampagne zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit
  • die Verdopplung der internationalen Unterstützung für Biodiversität bereits bis 2015

Beitrag kommentieren