© Harald Henkel [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
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Biodiversität schwindet vor den Augen des Bundes

  • Mélanie Guillebeau
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Seit dem Beschluss der „Strategie Biodiversität“ vor fünf Jahren durch den Bundesrat hat sich wenig getan: Noch immer befindet sich die Schweizer Biodiversität im freien Fall und ein Rettungsnetz scheint nicht in Sicht. Dies veranschaulicht ein aktueller Bericht der Umweltverbände BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz.

Am 25. April 2012 hat der Bundesrat die Strategie Biodiversität Schweiz verabschiedet, die bis 2020 anhand von insgesamt 18 Haupt- und weiteren 120 Teilzielen den Erhalt, die Förderung und nachhaltige Nutzung unserer Biodiversität anstrebt.

„Die Biodiversität erbringt unverzichtbare Leistungen für Gesellschaft und Wirtschaft, sogenannte Ökosystemleistungen. Eine Verschlechterung des Zustands der Biodiversität führt zu einer Abnahme dieser Leistungen und somit zu einer Gefährdung einer nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. Die zehn strategischen Ziele der Strategie Biodiversität Schweiz beschreiben die Schwerpunkte, an denen sich alle Akteure in den kommenden Jahren bis 2020 zu orientieren haben, um gemeinsam genügend Wirkung zu entfalten und klare Ergebnisse zu erreichen“, so der Schweizerische Bundesrat in der Strategie Biodiversität Schweiz.

Umweltverbände übernehmen Aufgaben des Bundes

Mittlerweile sind fünf Jahre verstrichen und es fehlt noch immer an einem wirksamen Aktionsplan. 2017 sollte der Bundesrat zudem einen Zwischenbericht vorlegen, aufgrund dessen Anpassungen vollzogen werden können – bisher ist kein solcher Bericht publik. Nun haben die Naturschutzorganisationen BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz das Ruder übernommen und in Zusammenarbeit mit Fachleuten einen eigenen Zwischenbericht erstellt. Dieser malt eine alles andere als rosige Zukunft für die Schweizer Biodiversität.

Nur bei einem der 18 Ziele auf Kurs

Wie die Umweltverbände in ihrer Medienmitteilung informieren, ist man nur bei einem der insgesamt 18 Hauptziele auf Kurs. Für die Restlichen fehlt es an den nötigen Bemühungen und Massnahmen, um eine Erfüllung bis 2020 erreichen zu können. Ähnlich gestaltet sich die Bilanz für die 120 Teilziele: Nur 14 werden voraussichtlich bis 2020 erreichbar sein.

Nur bei einem der 18 Hauptziele ist man für die Erreichung im Jahr 2020 auf dem richtigen Weg. | © BirdLife Schweiz / Pro Natura / WWF Schweiz
Nur bei einem der 18 Hauptziele ist man für die Erreichung bis 2020 auf dem richtigen Weg. | © BirdLife Schweiz / Pro Natura / WWF Schweiz

Schweiz hinkt dem Rest Europas hinterher

Geht es um die Fläche und Qualität der Schutzgebiete, ist die Schweiz europaweit das klare Schlusslicht. Nur rund fünf Quadratkilometer wurden in den letzten fünf Jahren als neue Biodiversitätsvorrangflächen erschlossen. Geht dieser Trend weiter, wird die Schweiz als einziges europäisches Land bis 2020 der Biodiversitätskonvention nicht Folge leisten können. Dabei fehlt es nicht nur an der Quantität, sondern auch an Qualität: 80 Prozent der Hochmoore sind aufgrund ungenügenden Unterhalts, Wassermangel oder zu hohem Stickstoffeintrag in schlechtem Zustand.

Bundesrat muss Verantwortung wahrnehmen

Einerseits scheint dem Bundesrat das Problem durchaus bewusst, andererseits scheint der Stellenwert unserer Biodiversität – angesichts der fehlenden Massnahmen – nicht besonders hoch zu sein. Und so ermahnen die Umweltverbände zurecht, dass der Bundesrat in diesem Belang eine „verantwortungslose Politik“ zu Tag führt. Denn trotz des dringlichen Handlungsbedarfs zur „Rettung unserer natürlichen Lebensgrundlage“ wird nichts unternommen. Dies kann nicht nur für unsere Natur teuer werden, sondern auch für die Schweiz: „Berechnungen auf europäischer Ebene zufolge dürften den einzelnen Ländern – wenn sie nicht handeln – Kosten in der Höhe von vier Prozent des Bruttoinlandprodukts entstehen“, heisst es in der bundesrätlichen Verlautbarung.

Weitere Informationen können Sie dem vollständigen Bericht „Strategie Biodiversität Schweiz des Bundesrates – Wo steht die Umsetzung in der Schweiz 2017?“ sowie der originalen Medienmitteilung entnehmen.

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