Bilanz zum Jahr der Biodiversität

  • Monika Jung
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alpenblumen-grossWährend die Bevölkerung die Biodiversität verstärkt  wahrnimmt und sich dafür immer mehr begeistert, stagniert die Schweizer Biodiversitätspolitik oder macht gar Rückschritte: Das ist die Bilanz des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz zum Jahr 2010 in Sachen biologische Vielfalt. Die Schweiz hat ihre Biodiversitätsziele der letzten 10 Jahre weitgehend verfehlt. Nun braucht es grosse Anstrengungen, um die auch international verbindlichen Biodiversitätsziele 2020 von Nagoya zu erreichen. Der SVS/BirdLife Schweiz fordert, dass unser Land 2011 endlich die nötigen Schritte macht.

Für die Natur und Landschaft hatte 2010 erfreuliche Höhen und beängstigende Tiefen. Positiv hat sich im Internationalen Jahr der Biodiversität die Wahrnehmung der Biodiversität in der Bevölkerung entwickelt. Zehntausende liessen sich in der Natur von der biologischen Vielfalt begeistern, zum Beispiel Mitte Juni an den Tagen der Artenvielfalt mit 120 Anlässen in der ganzen Schweiz und über 10’000 Teilnehmenden.
Grosse Defizite in der Politik.

Politisch begann das Jahr zwar nicht schlecht, indem der Bundesrat im Januar endlich den Schutz der Trockenwiesen und –weiden beschloss. Doch dann folgten Tiefen um Tiefen vor allem aus den Eidgenössischen Räten: Ablehnung der Protokolle der Alpenkonvention, Verschlechterung des Schutzes des Wolfes, möglicher Austritt aus der Berner Konvention zum Schutz der Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume und die Ablehnung der dringend nötigen zusätzlichen Mittel zum Schutz wenigstens der wertvollsten Biotope der Schweiz. So besteht die Gefahr eines weiteren Qualitätsverlusts dieser Perlen unseres Landes.

Bei einer solchen Stagnation, ja sogar deutlichen Rückschritten der Biodiversitätspolitik 2010 und in den Jahren zuvor ist klar, dass es auch den vielen gefährdeten Arten nicht besser geht. Im Gegenteil: Im Dezember kam die neue Rote Liste der gefährdeten Brutvogelarten heraus, die zeigt, dass jetzt auch bis vor kurzem häufige Arten wie Mehlschwalbe potenziell gefährdet sind.

Immerhin hat der Bund in seiner Bilanz für die Biodiversitätskonvention die schlechte Situation klar aufgezeigt und nicht zu beschönigen versucht. Die von 192 Staaten der Welt, darunter die Schweiz, unterzeichnete Biodiversitätskonvention sorgte denn auch für den einzigen politischen Lichtblick in Sachen biologische Vielfalt im zu Ende gehenden Jahr: Nach intensiven Verhandlungen und vielen Kompromissen einigte sich die Konferenz von Nagoya auf klare Biodiversitätsziele 2020.

Will die Schweiz endlich ihren Verpflichtungen nachkommen, darf sie nicht weiter zuwarten, sondern muss das Jahr 2011 nutzen, sich eine griffige Biodiversitätsstrategie mit klaren Zielen, konkreten Massnahmen und den nötigen Mitteln zu geben. Die Förderung und Sicherung der Biodiversität ist eine Verpflichtung für alle Sektoren von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz

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