© Daniel Erni
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Biber-Tötungen im Fürstentum Liechtenstein

  • Mélanie Guillebeau
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Mit dem Ziel die Unterhöhlung von Dämmen zu verhindern, sind in den letzten Jahren im Fürstentum Liechtenstein rund zwei Dutzend Biber getötet worden. Die Behebung des Biber-Problems setzt aber langfristiges Denken und keine Kurzschlussreaktionen voraus. 

Im Fürstentum Liechtenstein lebt die Mehrheit der Bevölkerung im Einzugsgebiet von Murgängen, den Erosionskanälen der Gebirge. Bei Hochwasser sind Dörfer im Einzugsgebiet der Gefahr von mitgespültem Schlamm und Gestein ausgesetzt. Zum Schutz werden dazu Dämme erbaut, welche die sich anbahnenden Massen zurückhalten sollen. Es kommt vor, dass Biber diese Dämme unterhöhlen, wodurch deren Schutzfunktion untergraben wird. Aus diesem Grund hat die Regierung des Fürstentum Liechtenstein die Tötung der Biber angeordnet.

„Das Abschiessen von Bibern ist langfristig unwirksam, wenn man Hochwasserschutzbauten bibersicher machen möchte,“ bemerkt Michael Fasel, Schutzgebietsbauftragter von Pro Natura Graubünden.

Tötung verletzt Berner Konvention

Klar ist, dass zum Schutz der Bevölkerung Massnahmen ergriffen werden müssen, das Töten der Biber ist für die Umweltschutzorganisationen WWF St. Gallen und Pro Natura St. Gallen-Appenzell aber unrechtmässig. Liechtenstein ist ein Unterzeichnerstaat der Berner Konvention, die auch den Biberschutz beinhaltet. Nach dieser Konvention ist es nur in Ausnahmefällen gestattet, geschützte Tiere zu töten. Bei der Liquidierung von so vielen Bibern kann nicht mehr von Ausnahmefällen, sondern muss von einer neuen Regel gesprochen werden.

Unter anderem werden die Biber mit aufgestellten Fallen gefangen und anschliessend getötet. | © zVg, Pro Natura St.Gallen
Biberfalle: Unter anderem werden die Biber mit aufgestellten Fallen gefangen und anschliessend getötet. | © zVg, Pro Natura St.Gallen

Durchdachter Massnahmenplan lässt auf sich warten

Liechtenstein hat es bisher versäumt, ein Biberkonzept auf die Beine zu stellen. Das Thema wurde in der Landesverwaltung offensichtlich weder vom Amt für Umwelt noch vom Amt für Bevölkerungsschutz ernsthaft in Angriff genommen. Es hätten bauliche Massnahmen ergriffen werden können, um betroffene Stellen vor Biber-Schäden zu schützen. So werden in der Schweiz beispielsweise Netzgitter installiert, die den emsigen Naturarchitekten das Durchdringen verunmöglichen. Für ein mitteleuropäisches Land sind die Kosten solcher Befestigungen absolut zumutbar, aber offenbar scheint der Abschuss eine billigere Variante zu sein.

Abgesehen davon, dass die Tötung der Biber kaum ethisch vertretbar ist, handelt es sich hier nicht um eine nachhaltige Lösung. Schliesslich werden weiterhin Biber einwandern. Wie andere Länder beweisen, ist eine friedliche Koexistenz zwischen Bibern und Menschen in dicht besiedelten Gegenden möglich und sollte angestrebt werden.

Medienmitteilung von Pro Natura St. Gallen-Appenzell und WWF St. Gallen.

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