© Patrick Müller [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Bewässerung führt zu intensiveren Nutzung von Wiesen im Engadin

  • Roman Vonwil
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Die Vogelwarte Sempach hat im Rahmen einer Langzeituntersuchung im Engadin auf 20 Wiesen die Entwicklung der Vegetation und der Nutzungsintensität auf bewässerten und unbewässerten Flächen verglichen. Dabei konnte auf Flächen, die bereits längere Zeit bewässert wurden, ein drastischer Rückgang des Anteils extensiv bis wenig intensiv genutzter Wiesen festgestellt werden.

Extensiv und wenig intensiv genutzte Bergwiesen weisen eine hohe Artenvielfalt auf und bieten gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Im Engadin wird die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen unterhalb der Baumgrenze bis heute extensiv oder wenig intensiv als Grünland bewirtschaftet. In den letzten Jahren fand aber auch im Engadin ein Intensivierungsschub im Futterbau statt, und die naturschützerisch wertvollen Wiesen verschwinden langsam. Dieser Prozess scheint besonders auf Flächen stattzufinden, auf denen Meliorationsprojekte durchgeführt wurden, bei denen Bewässerungsanlagen aufgebaut werden.

Eine Untersuchung der Vogelwarte Sempach hat nun die Veränderung des Anteils extensiv bis wenig intensiv genutzter Mähwiesen in bewässerten und nicht bewässerten Gebieten seit den 1980er-Jahren verglichen. Die Untersuchung zeigt, dass auch neuere Bewässerungsanlagen in Gebieten gebaut wurden, wo vorher viele artenreiche Blumenwiesen vorhanden waren, die extensiv bis wenig intensiv genutzt wurden. Die Bewässerung hat Auswirkungen auf die Nutzungsintensität: Auf Flächen, die seit den 1980er-Jahren mit Sprinkleranlagen bewässert werden, nahm der Anteil der extensiv und wenig intensiv genutzten Wiesen bis heute von 40% auf 13,5 % ab. Bei neueren Anlagen konnte ein solcher Effekt noch nicht beobachtet werden. In Untersuchungsflächen mit Bewässerungsanlagen war auch ausserhalb des bewässerten Gebietes eine Intensivierung feststellbar. Umgekehrt hat der Anteil der extensiv und wenig intensiv genutzten Matten in allen Untersuchungsflächen ohne Bewässerungsanlagen zugenommen.

Die Autoren der Studie kommen zum Schluss, dass die oft geäusserte Behauptung, dass neue Bewässerungsanlagen einzig der Ertragssicherung in Trockenjahren dienen und keine Nutzungsintensivierung zur Folge haben, auf das Untersuchungsgebiet nicht zutrifft.

1 Kommentar

  • Peter Voser

    Schon in den 80er Jahren konnten wir zeigen, dass die prachtvollen Blumenwiesen im Unterengadin keineswegs vom Klima natürlich gegen Verarmung geschützt sind. Nicht nur die Beregnung, auch der Umstieg von Misten auf die Schwemmentmistung (Gülle) war ein Grund. Den Blumenwiesen bleiben dann Restflächen. Nur: Es gibt sie noch, die prachtvollen Magenwiesen und ohne Landwirtschaft würden sie einwachsen, wie so viele in den Tessiner Bergen. Da helfen nur grosszügige gezielte Flächenbeiträge als Dank für die Berglandwirtschaft.

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