© Gabriela Brändle, Agroscope
© Gabriela Brändle, Agroscope

Bestehen Risiken im Schweizer Boden?

  • Judith Schärer
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Seit Jahren wird in der Schweiz die Bodenqualität zur Früherkennung schädlicher Entwicklungen untersucht. Die Auswertung der Beobachtungen zwischen 1985 und 2009 zeigt: Die Kohlenstoffgehalte im Oberboden blieben insgesamt stabil, die Gehalte der Schwermetalle entwickelten sich unterschiedlich.

Der neuste Bericht „Ergebnisse derNationalen Bodenbeobachtung (NABO) 1985-2009“ stellt die Ergebnisse
von fünf Probenahme-Kampagnen an rund hundert über die gesamte Schweiz verteilten Dauerbeobachtungsstandorten dar. Im Fokus des Berichtes stehen die Veränderungen der Kohlenstoff-, Nährstoff- und Schwermetallgehalte im Oberboden.

Weniger Schwermetalle aus der Luft

Die Entwicklung der Schwermetallgehalte im Oberboden der NABO-Standorte sind grösstenteils sehr erfreulich. Für die Elemente Cadmium, Nickel, Chrom und Cobalt wurden keine signifikanten Veränderungen über die untersuchten zwanzig Jahre beobachtet, die Gehalte an Blei und Quecksilber haben abgenommen. Strengere Vorschriften bei der Luftreinhaltung und die Verbannung von bleihaltigem Benzin zeigen ihre Wirkung. Schwermetalle werden im Boden jedoch nicht abgebaut, sondern nur verlagert oder verdünnt, beispielsweise wenn Ober- und Unterboden durch Bodenlebewesen oder die landwirtschaftliche Bearbeitung durchmischt werden.

Für Zink und Kupfer wurden hingegen an intensiv genutzten Graslandstandorten und einigen Ackerstandorten kontinuierlich steigende Konzentrationen beobachtet. Bei den aktuellen Konzentrationen sind aber noch keine negativen Effekte auf die Bodenfruchtbarkeit zu erwarten. Im Sinne einer nachhaltigen Bewirtschaftung sollten weitere Zunahmen jedoch vermieden werden. Die Zunahmen wird durch den Einsatz von Hofdünger (Schweine- und Rindergülle, aber auch Mist) erklärt. Zink und Kupfer werden dem Tierfutter als Nahrungsergänzung und zur Leistungssteigerung beigegeben und gelangen über den Hofdünger in den Boden. Die gesetzlich zulässigen Höchstgehalte im Tierfutter wurden bereits 2003 gesenkt, die im vorliegenden Bericht dargestellten Zunahmen stammen somit mehrheitlich aus der Zeit zuvor. In der EU beraten die zuständigen Behörden derzeit über weitere Senkungen der Maximalgehalte, allfällige Änderungen würde die Schweiz übernehmen.

Kohlenstoff und Nährstoffe mehrheitlich konstant

„Der Gehalt an organischem Kohlenstoff beeinflusst massgeblich das Speicher- und Puffervermögen von Böden und spielt deshalb im Kontext der Auswirkungen des Klimawandels eine bedeutende Rolle“, erklärt Andreas Gubler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Agroscope Forschungsgruppe Nationale Bodenbeobachtung. Abgesehen von wenigen Einzelfällen blieben die Kohlenstoffgehalte im Oberboden über die untersuchte Periode relativ stabil.

Bei den wichtigen Pflanzennährstoffen Stickstoff, Phosphor und Kalium beobachteten die Forschenden je nach Nutzung unterschiedliche Entwicklungen: Für Ackerstandorte blieben die Nährstoffe mehrheitlich stabil. Im Gegensatz dazu wurde im intensiv genutzten Grasland tendenziell eine Zunahme von Stickstoff und Phosphor bis Ende der 90er-Jahre festgestellt. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Gehalte dieser beiden Hauptnährstoffe dagegen kaum noch verändert. Kalium hingegen nahm an den meisten der bisher untersuchten Grasland-Standorte kontinuierlich zu.

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