Besser mit Stickstoff haushalten

  • Dominique Haiden
  • -

Güllefahren LandwirtschaftStickstoff ist als Dünger in der Landwirtschaft unverzichtbar. Doch er hat neben der „guten“ auch eine „schlechte“ Seite: so genannte reaktive Stickstoffverbindungen, die von Industrie, Verkehr und Landwirtschaft freigesetzt werden, schädigen die Umwelt. Beispielsweise beeinträchtigt aus Äckern ausgewaschenes Nitrat die Qualität des Grundwassers, Lachgas aus dem Boden heizt das Klima auf, und Ammoniak aus der Tierhaltung trägt zur Feinstaubbildung in der Luft bei.

Die Auswirkungen der schädlichen Stickstoffverbindungen dokumentiert die kürzlich veröffentlichte „Europäische Stickstoffbewertung“ (European Nitrogen Assessment, ENA). Darin flossen Erkenntnisse aus dem Forschungsprogramm „NitroEurope“ ein, an dem sich auch die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART beteiligt. Laut der Untersuchung verursacht die Stickstoffverschmutzung in Europa jedes Jahr geschätzte Kosten von 70 bis 320 Milliarden Euro. Daher müssen dringend Lösungen entwickelt werden, wie Stickstoff effizienter genutzt und unerwünschte Emissionen gesenkt werden können.

Um neue Lösungsansätze zu finden ist es notwendig, die Umwandlungsprozesse des Stickstoffs besser zu verstehen. Dazu sammeln ART-Forschende in mehreren Projekten detaillierte Informationen über Stickstoffflüsse in landwirtschaftlich genutzten Böden. So wird beispielsweise untersucht, welche Böden besonders viel Stickstoff verlieren und was die Gründe dafür sind. In einem weiteren Projekt wird getestet, ob auf Ackerböden ausgebrachte Kohle aus organischen Resten (sogenanntes „Biochar“) das Entweichen von Lachgas verhindern kann, ohne dadurch die Erträge zu mindern. Darüber hinaus untersuchen Forschende verschiedene Möglichkeiten, um Kunstdünger durch natürliche Methoden (z.B. Düngen mit Mist oder Stickstoff-bindenden Leguminosenpflanzen) zu ersetzen.

In der Landwirtschaft ist das Einsparungspotential für Stickstoff am grössten. Nur etwa zwei Drittel des mineralischen Düngerstickstoffs wird von den Pflanzen genutzt. Der überschüssige Rest wird durch chemische Prozesse im Boden zu verschiedenen reaktiven Stickstoffverbindungen umgewandelt, die in der Folge freigesetzt werden. Höhere Stickstoffeffizienz und niedrigere Emissionen gehören deshalb zu den langfristigen Umweltzielen in der Landwirtschaft.

Weitere Informationen

Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART

Beitrag kommentieren