Berggorilla_ruanda

Beschwerde des WWF könnte Berggorillas retten

  • Sophie Ryser
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Der Virunga Nationalpark ist ein 790‘000 Hektar grosser Park im Osten der Demokratischen Republik Kongo, an der Grenze zu Ruanda und Uganda. Dieser entstand zusammen mit dem Volcanoes Nationalpark in Ruanda im Jahr 1969 aus der Teilung des bereits seit 1925 bestehenden Albert-Nationalparks. Er ist damit der älteste und auch artenreichste Nationalpark Afrikas. Hier leben unter anderem knapp 200 der vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Heute leben noch schätzungsweise 880 Berggorillas in Zentralafrika.

In diesem Nationalpark sollte, wenn es nach dem Willen des britischen Ölkonzerns Soco International geht, nach Öl gebohrt werden, was enorme Umweltschäden an dem einzigartigen Ökosystem zur Folge hätte. Dagegen kämpft der WWF. Die Kontaktstelle für OECD-Leitsätze in Grossbritannien hat nun die Beschwerde des WWF gegen die britische Ölfirma Soco International angenommen.Die OECD-Leitsätze sind Empfehlungen der Regierungen der OECD-Mitgliedstaaten und weiterer zwölf Teilnehmerländer für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln von multinational tätigen Unternehmen, die in diesen Staaten tätig sind oder von dort aus operieren. Verletzungen der OECD-Leitsätze können mit Beschwerden bei den nationalen Kontaktstellen der jeweiligen Teilnehmerländer vorgebracht werden. Diese haben die Aufgabe, auf eine einvernehmliche Lösung zwischen Beschwerdeführern und Unternehmen hinzuwirken.

Der heutige OECD-Entscheid bestätigt die Sorge des WWF um Afrikas ältesten Nationalpark. Und sie ist eine ernsthafte Warnung an die Wirtschaft und Industrie. „Firmen können es sich nicht länger leisten, Umwelt- und Sozialstandards zu missachten“, sagt Doris Calegari, Artenschutzverantwortliche beim WWF Schweiz. Durch die heutige Entscheidung sei zudem ein Präzedenzfall geschaffen worden, mit dem Naturschützer in Zukunft mit Hilfe der OECD Umweltbedrohungen bekämpfen könnten.

Der WWF fordert Soco auf, die Suche nach Öl in Virunga sofort einzustellen. Der WWF legte in seiner Beschwerde dar, dass Soco kongolesische Sicherheitskräfte dazu benutzt hat, Gegner der Ölförderpläne einzuschüchtern, zu bedrohen und illegal festzuhalten. Des Weiteren soll das Unternehmen im Gespräch mit den betroffenen Gemeinden wichtige Informationen über Umweltgefahren zurückgehalten haben. Socos eigene Risikoabschätzung zeigt, dass bereits die Erkundung potenzieller Ölfelder das fragile Ökosystem im Virunga-Nationalpark gefährden kann. In der Folge drohten Umweltverschmutzung, Lebensraumzerstörung und Wilderei. Damit wäre die Lebensgrundlagen von über 50‘000 Menschen in Gefahr. Die OECD-Kontaktstelle prüft nun die WWF-Einwände und leitet damit ein Verfahren ein, zu welchem Soco Stellung nehmen muss.

Mehr als 600‘000 Menschen hatten eine WWF-Petition gegen die Ölförderpläne von Soco unterzeichnet. Und auch das UNESCO-Welterbekomitee forderte die Demokratische Republik Kongo dazu auf, die Ölkonzessionen rückgängig zu machen. Der Nationalpark ist seit 1979 UNESCO Weltnaturerbe. Der französische Ölkonzern Total, ebenfalls im Besitz einer Fördergenehmigung, hat seine Pläne zur Ölförderung in Virunga auch auf Druck des WWF aufgegeben und darüber hinaus erklärt, zukünftig auf Ölbohrungen in UNESCO-Weltnaturerben generell zu verzichten.

Medienmitteilung WWF

Bild: Reisedoktor [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons

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