In den Juraweiden, ihrem ursprünglichen Habitat, ist die Heidelerche auf dem Rückzug. Schweizweit nimmt ihr Bestand zurzeit nur in Weinbergen zu, die ein Ersatzlebensraum darstellen. | © Zdenek Tunka / Schweizerische Vogelwarte
In den Juraweiden, ihrem ursprünglichen Habitat, ist die Heidelerche auf dem Rückzug. Schweizweit nimmt ihr Bestand zurzeit nur in Weinbergen zu, die ein Ersatzlebensraum darstellen. | © Zdenek Tunka / Schweizerische Vogelwarte

Heidelerche gegen Steinfräse           

  • Mélanie Guillebeau
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In den Berglagen des Juras leiden die tierischen Anwohner unter der Intensivierung der Landwirtschaft. Wie die Schweizerische Vogelwarte berichtet, sind die Bestände einiger Vogelarten, wie die der Heidelerche und des Baumpiepers, bereits zurückgegangen – und die Vögel dürften bei Weitem nicht die einzigen Leidtragenden sein.

Landwirtschaftliche Intensivierung – vom Mittelland in die Berge

Im letzten Jahrhundert wurde das Mittelland von einer Welle der landwirtschaftlichen Intensivierung überrollt: Mit Maschinen, Kunstdünger, Pestiziden und intensiver Bewässerung sollten die Erträge in die Höhe steigen. Dass diese Entwicklung für unsere Biodiversität grosse Risiken birgt, hat sich mittlerweile herauskristallisiert. Nach Angaben des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) haben die Wiesen und Äcker des Mittellandes einen drastischen Artenverlust erlitten. Aus diesem Grund sind seit 1999 ökologische Ausgleichsflächen zur Förderung der Biodiversität Pflicht. Doch wie so oft hapert es auch hier an der richtigen Umsetzung: Bei zwei Dritteln der Ausgleichsflächen mangelt es an der ökologischen Qualität (z.B. fehlende Vernetzung, ungeeigneter Standort). Kein Wunder also, dass der Biodiversitätsverlust damit nicht aufzuhalten war.

Letzte Refugien der Heidelerche in Gefahr

Den Berggebieten droht nun dasselbe Schicksal. Denn in der Zwischenzeit ist die Intensivierung bis in den Alpenraum vorgedrungen und die Folgen sind bereits sichtbar. Wie die Schweizerische Vogelwarte in einer Medienmitteilung berichtet, sind mehrere typische Arten der Juraregion seltener zu beobachten. Zum einen sind die Bestände der Heidelerche ins Wanken geraten. Die begnadete Sängerin hat mit der intensivierten landwirtschaftlichen Nutzung im Mittelland bereits einen Grossteil ihrer Lebensräume verloren und kommt seither nur noch in zwei Regionen gehäuft vor: In Teilen des Mittel-und Oberwallis sowie im Jura – die Frage ist nur wie lange noch.

Steinfräse verschärft Situation

Die im Vordergrund sichtbare Weide wurde mit einer Steinfräse verarbeitet. | © Anatole Gerber / Schweizerische Vogelwarte
Die im Vordergrund sichtbare Weide wurde mit einer Steinfräse verarbeitet. Sie zermalmt den Boden, die Steine und darin lebende Organismen. | © Anatole Gerber / Schweizerische Vogelwarte

In den Juraweiden führt zudem die Nutzung von Steinfräsen zu einer Verschärfung der ohnehin misslichen Situation. Mit der „innovativen“ Maschine werden Steine und Boden zermalmt und eine planierte, unnatürliche Wiese geschaffen. Diese mag einen höheren Ertrag abwerfen, doch durch die drastische Umgestaltung schwinden wichtige Kleinstlebensräume.

Weitreichende Folgen

Auch der Baumpieper, eine Zeigerart für den Zustand der Berglebensräume, ist seltener geworden im Jura. | © Eero Kiuru [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Auch der Baumpieper, eine Zeigerart für den Zustand der Berglebensräume, ist seltener geworden im Jura. | © Eero Kiuru [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Wer denkt, dass lediglich die Vögel unter der landwirtschaftlichen Intensivierung leiden, hat weit gefehlt. So seien gemäss Nadine Apolloni, Leiterin des Artenförderungsprojekts an der Vogelwarte Sempach, „die Heidelerche und der Baumpieper gewissermassen Gradmesser für den Zustand der Biodiversität in höheren Lagen“. Denn dem Bestandsrückgang der Vögel geht in der Regel eine Abnahme im Nahrungsangebot voraus: Oft sind bereits zahlreiche Pflanzen- und Insektenarten aufgrund der fehlenden Lebensräume von grossen Verlusten betroffen, bevor sich dies in den Beständen der Vögel niederschlägt.

„Die Vögel sind nur die Spitze des Eisbergs“, betont Nadine Apolloni, Leiterin des Artenförderungsprojekts an der Vogelwarte Sempach.

Weitere Informationen können Sie der originalen Medienmitteilung der Schweizerischen Vogelwarte entnehmen. 

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