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Bei der Zulassung von Pestiziden gibt es Schwachstellen

  • Amanda Buol
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Das Schweizer Zulassungssystem für Pestizide weist Schwächen auf, die für den Schutz der Umwelt und der Gesundheit der Bevölkerung Risiken mit sich bringen könnten. Eine Studie dazu wurde von den Umweltverbänden BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz beim Forschungsinstitut Interface in Auftrag gegeben und liegt nun vor.

Bevor Pestizide in der Schweiz eingesetzt werden dürfen, werden sie von den Schweizer Behörden auf ihre Gesundheits- und Umweltrisiken geprüft. Das Ziel der Zulassung ist es, den Einsatz von Pestiziden so zu reglementieren, dass Umwelt und Gesundheit nicht gefährdet werden. Eine Studie des Forschungsinstitut Interface im Auftrag der Umweltverbände BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz weist jedoch auf Mängel im Schweizer Zulassungsverfahren hin.

In der Studie wird der Schweizer Zulassungsprozess mit ähnlichen Verfahren und Vorgehen in Deutschland und Neuseeland verglichen. Dabei konnte die Studie fünf relevante Schwachstellen identifizieren. So könne beispielsweise die Begründung für eine Zulassung oder Ablehnung eines Pestizids nicht eingesehen werden. Auch sieht die Studie Mängel in den Rollenverteilung des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) und des Bundesamts für Umwelt (BAFU). Während das BLW als Anlaufstelle für Antragssteller der Pestizide und gleichzeitig Entscheidungsträger agiere, habe das BAFU kaum Kompetenzen die Zulassung zu verwehren oder zu beschränken, heisst es in der Mitteilung der Umweltverbände. Ausserdem zahlen Pestizidfirmen nur einen verschwindend kleinen Anteil der anfallenden Kosten für die Zulassung und der Zugang zu Daten aus dem EU-Raum ist eingeschränkt.

Die Bundesverwaltung hat im Juni die Anhörung zum Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmittel gestartet (naturschutz.ch berichtete). Jedoch fehlen in der Anhörungsvorlage Vorschläge zur Verbesserung des Schweizer Zulassungssystems, meint Daniela Hoffman, Landwirtschaftsexpertin des WWF Schweiz. Bis auf einzelne Fälle, wie die bienengefährdenden Neonikotinoide oder das wahrscheinlich krebserregende Glyphosat, werde die Zulassung von Pestiziden im „stillen Kämmerchen“ entschieden.

Mit der Studie wollen die Umweltverbände nun grössere Transparenz schaffen und auf Schwächen im System hinweisen. Die Umweltverbände fordern den Bund auf, die genannten Schwachstellen in der Zulassung auszuräumen, um die Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung in Zukunft vor schädlichen Auswirkungen des Pestizideinsatzes in der Schweiz zu schützen.

Die Studie der Umweltverbände finden Sie hier »

3 Kommentare

  • Ferdi Proyer

    Nicht nur bei der Zulassung von Pestiziden gibt es „Schwachstellen“.
    Interessant zu wissen wäre die Zulassung von behandeltem Saatgut!!!
    Zu gewissen Themen in der Landwirtschaft wird striktes Stillschweigen praktiziert. Ich möchte wissen für was wir Aemter wie ANU Amt für Natur und Umwelt und BAFU Bundesamt für Umwelt unterhalten???
    Die Umweltverbände müssten sich organisieren und diese Themen
    aufgreiffen und öffentlich machen.

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  • Susanne

    Ich bin sehr froh, wenn etwas läuft in dieser Sache. Die Pestizidhersteller interessiert die Umwelt und die Gesundheit der Menschen herzlich wenig und einmal mehr geht’s nur ums Geld!

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  • Sonja Portenier

    Gut tut sich endlich was!

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