biodiversitaet

Begriff Biodiversität bekannter

  • Gavino Strebel

DSCN1419Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen, dass der weltweite Verlust von Lebensräumen, Arten und genetischer Vielfalt innerhalb der Arten weitreichende ökonomische und ökologische Konsequenzen haben kann. Auch in der Schweiz gehen Fläche und Qualität wertvoller Lebensräume zurück und die Bestände bereits seltener Arten sinken weiter.

In der breiten Bevölkerung war die Biodiversität dagegen bis vor kurzem kein grosses Thema und wurde kaum ausserhalb der Expertenkreise diskutiert. Die Studie «Biodiversität 2009», welche vom Bundesamt für Umwelt BAFU in Auftrag gegeben worden war, zeigt nun aber, dass im Herbst 2009 bereits jede zweite Person in der Schweiz den Begriff «Biodiversität» wahrgenommen hat. Vier Jahre früher erzielte das Thema dagegen noch nicht einmal bei der Gruppe der speziell Umweltsensibilisierten (rund einem Viertel der Bevölkerung) eine gleich hohe Bekanntheit. Die Studie zeigt jedoch auch: Der Zustand der Biodiversität in der Schweiz wird – im Gegensatz zur Beurteilung durch die Wissenschaft – von knapp 70% der Bevölkerung als gut oder eher gut eingeschätzt, und nur rund 40 Prozent der Befragten glauben, dass sie von einer Verarmung der Biodiversität persönlich betroffen sind. Trotzdem unterstützt eine Mehrheit Massnahmen für den Erhalt der Biodiversität. Handlungsbereitschaft zeigt sich am stärksten in der unmittelbaren Lebensumgebung. Gefordert sind in den Augen der Bevölkerung zudem Bildung, Wissenschaft und Politik. Zusammenfassend lässt sich sagen: Biodiversität ist im Alltag angekommen. Für das BAFU sind diese Erkenntnisse interessant, da sie zu einem Zeitpunkt kommen, in dem die Schweiz daran ist, eine nationale Biodiversitätsstrategie zu erarbeiten.

Eine ähnlich ausgerichtete Analyse aus dem Jahr 2005 war von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, SVS/BirdLife Schweiz sowie dem Forum Biodiversität in Auftrag gegeben worden. Diese Organisationen beteiligten sich auch an der aktuellen Studie 2009.

Der Vergleich mit Umfragedaten aus 27 EU-Ländern (Attitudes of Europeans towards the issue of biodiversity) zeigt, dass die Bevölkerung der Schweiz sowohl bezüglich Bekanntheit des Begriffs als auch in Hinblick auf das Problembewusstsein, deutlich hinter den Nachbarländern herhinkt: in Deutschland, Österreich und Frankreich hatten 2007 bereits mehr als drei Viertel der Befragten den Begriff «Biodiversität» wahrgenommen, in Italien waren es zwei Drittel. Dieser Rückstand lässt sich im Wesentlichen durch den Umstand erklären, dass die politische Diskussion um die vom Parlament Ende 2008 in den Legislaturzielen verankerte Biodiversitätsstrategie in der Schweiz erst angelaufen ist, während dieser Prozess in der EU bereits rund zehn Jahre früher begonnen hat.

BAFU