© Michael Gerber
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Bedrohte Mehlschwalben brauchen mehr Nistplätze

  • Kathrin Ruprecht
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Derzeit ziehen die Mehlschwalben ihre Jungen auf.Ihre Nester bauen sie gerne an Häusern unter Vordächern. In den letzten Jahren kam es jedoch vermehrt vor, dass Mehlschwalbennester mit Jungen darin heruntergeschlagen wurden. Dies ist bei einer geschützten und bedrohten Art wie der Mehlschwalbe strafbar. Der SVS/BirdLife Schweiz fordert Hausbesitzer und Hausverwaltungen, Städte und Gemeinden auf, Mehlschwalbennistplätze zu erhalten und die Vogelart mit künstlichen Nisthilfen zu fördern.

In diesen Tagen füttern die Mehlschwalben die Jungen ihrer ersten Bruten. Die Schwalben nisten gerne unter Vordächern und bauen dazu ein Nest aus bis zu 1500 kleinen Lehmbällchen. Jahrhundertelang galt die Mehlschwalbe als Glücksbringerin, wenn sie an einem Haus nistete. Dies hat sich leider in den letzten Jahren geändert. Immer häufiger wird dem SVS/BirdLife Schweiz berichtet, dass Mehlschwalbennester entfernt werden, weil die Kotspritzer nicht mehr toleriert werden. So wurden letztes Jahr in einem Walliser Dorf mitten in der Brutzeit Mehlschwalbennester heruntergeschlagen und die Jungen getötet, obwohl die Art geschützt ist. Der SVS/BirdLife Schweiz reagierte mit einer Anzeige auf diese Tat; die Täterschaft wurde verurteilt und mit einer hohen Busse belegt. Leider werden auch andernorts immer wieder Mehlschwalbenkolonien zerstört. Oftmals sind dabei falsche Vorstellungen in Spiel. So kursieren Gerüchte, Mehlschwalbenkot sei schädlich für Kinder, was jeglicher Grundlage entbehrt. Es gibt dazu keinen nachgewiesenen Fall, schreibt die SVS/BirdLife Schweiz.

Bedrohte Art braucht Hilfe

In den letzten Jahren haben die Bestände der Mehlschwalbe so stark abgenommen, dass sie nun als „potenziell gefährdet“ eingestuft wird. Gefährdungen sind neben der illegalen Entfernung von Nestern auch das Fehlen von Vordächern bei Neubauten oder Wandanstriche aus Kunststofffarben, an denen die Nester nicht mehr haften. Zudem finden die Schwalben immer weniger Lehmpfützen, um das Nistmaterial zu sammeln. Auch die Nahrungsgrundlage fehlt oft. Es ist daher höchste Zeit, der Mehlschwalbe unter die Flügel zu greifen.

Bestehende Nistplätze sollen unbedingt erhalten bleiben. Gegen die Kotspritzer nützt ein Kotbrett unter den Nestern. Mit künstlichen Mehlschwalbennestern kann eine bestehende Kolonie vergrössert oder die Gründung einer neuen Kolonie begünstigt werden. Die Mehlschwalbe ist eine reine Insektenfresserin. Insekten wiederum brauchen in ihrem Lebenszyklus einheimische Pflanzen. Blumenwiesen, begrünte Dächer, einheimische Büsche und Bäume im Siedlungsraum verhelfen daher der Mehlschwalbe zu einem grösseren Nahrungsangebot.

SVS-Sektionen betreuen viele Nisthilfen

Um der inzwischen schon fast seltenen Art zu helfen, betreuen die 450 Sektionen des SVS/BirdLife Schweiz insgesamt rund 14’000 Nisthilfen für Mehlschwalben. Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer, aber auch Mieter, Abwarte und weitere Personen können der bedrohten Art mit der Montage künstlicher Nester und mit einer naturnahen Umgebungsgestaltung ebenfalls helfen. Zahlreiche Informationen dazu können heruntergeladen werden unter www.birdlife.ch/mehlschwalbe.

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