© LBV
© LBV

Ungelöste Fälle von Umweltkriminalität in Bayern

  • Judith Schärer
  • -

Zum vierten Mal innerhalb von vier Monaten wird in Bayern ein schwerer Akt von Umweltkriminalität bekannt. Zwei junge Wiesenweihen wurden gezielt verstümmelt, indem den hochbedrohten Greifvögeln die Flügel beschnitten wurden. 

Innerhalb von wenigen Tagen wurden im südlichen Landkreis Würzburg bei Ochsenfurt zwei vorsätzlich verstümmelte junge Wiesenweihen gefunden. Die Flügel der streng geschützten Greifvögel wurden von einem Unbekannten mit einer Schere gezielt beschnitten. Die flugunfähigen Vögel wären so in Kürze verhungert. „Nach dem Abbrennen eines Sumpfohreulennests bei Schrobenhausen, der Tötung zweier Luchse bei Cham und der Vergiftung eines Uhus bei Regensburg erreicht dieser symbolische Akt der bewussten Tierquälerei eine nächste Eskalationsstufe“, so Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV (Landesbund für Vogelschutz in Bayern).

Wie der LBV mitteilt, zeigen die Taten ein vergleichbares Muster und es ist durchaus möglich, dass noch weitere verstümmelte Wiesenweihen in diesem Bereich gefunden werden. Um die streng geschützten Greifvögel zu fangen, bedarf es guter Artenkenntnis, da sie sich in erster Linie in Getreidefeldern und Wiesen aufhalten. „Das Einfangen ist wahrscheinlich nachts passiert, denn dann können die Wiesenweihen nicht wegfliegen, da sie sich nicht orientieren können“, erklärt Ralf  Krüger, der sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Wiesenweihenschutz engagiert.

Bei den verstümmelten Vögeln handelt es sich um ein junges Weibchen und ein junges Männchen. Die erste Wiesenweihe wurde an einem Feldweg in der Albertshäuser Flur bei Giebelstadt gefunden. Dem Weibchen wurden brutal Flügel und Schwanz gestutzt – vermutlich mit einer Haushalts- oder Gartenschere. „In der Natur wäre der Vogel verhungert. Sollten die Federn nachwachsen, könnten wir den Jungvogel erst nächstes Jahr auswildern und er könnte nicht dieses Jahr mit seinen Artgenossen zum Überwintern in den Süden ziehen“, erklärt Krüger. Dem zweiten, männlichen Greifvogel wurden etwa sieben bis acht Zentimeter  von beiden Flügeln abgeschnitten. Dabei verletzte der unbekannte Täter das Tier sogar, denn es blutete bei Auffinden noch. Beide Jungvögel werden vorübergehend in einer Greifvogelauffangstation in Würzburg versorgt. „Ob sie sich erholen und nach der Mauser wieder flugfähig sein werden, können wir nicht abschätzen“, sagt Ralf Krüger.

Ein Unfall mit einer landwirtschaftlichen Maschine wird ausgeschlossen. „Wir haben die Verletzungen auf diese Möglichkeit überprüfen lassen, und sie weisen eindeutig auf eine menschliche Misshandlung hin“, erklärt Krüger weiter. Die Wiesenweihe ist einer der seltensten Greifvögel Europas. Bayernweit leben nur etwa 200 Brutpaare und sie ist im Freistaat vom Aussterben bedroht. „Wir können diese Taten nicht verstehen, und sie machen keinen Sinn. Deshalb muss dies als ein gezielter Akt gegen die Wiesenweihe und die Schutzbemühungen des LBV gesehen werden“, so LBV-Chef Norbert Schäffer. Bisher fehlt jede Spur des Täters. Der LBV hat nun eine Belohnung ausgesetzt für Hinweise, welche zur Überführung des Täters führen und erhofft sich so weitere Kenntnisse. Sollte er gefasst werden, muss er sich wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutz- und das Tierschutzgesetz verantworten.

Beitrag kommentieren