© Kimberly Vardeman [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
© Kimberly Vardeman [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Baumwollproduktion: ein Elend für Natur und Bauern

  • Mélanie Guillebeau
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Baumwoll-Plantagen nehmen nur 2.5 Prozent der weltweiten Ackerflächen in Anspruch, verbrauchen aber 16 Prozent aller Pestizide und Insektizide. Den Preis dafür bezahlen die Bauern sowie die umliegende Natur. Wer aber zu Fairtrade oder Bio-Baumwolle greift, kann die unerwünschten sozialen und ökologischen Auswirkungen um ein Vielfaches senken.

Wenn Sie Ihren Kleiderschrank inspizieren, wird sich bestimmt das eine oder andere Kleidungsstück aus Baumwolle vorfinden. Schliesslich wurden nur im letzten Jahr rund 103 Millionen Baumwollballen – mit je einem Gewicht von 218 Kilogramm – geerntet und zu Textilien verarbeitet. Nicht nur die Produktion der flauschigen Faser nimmt grosse Ausmasse an, sondern auch die resultierenden ökologischen und sozialen Auswirkungen.

Jährlich Chemikalien im Wert von zwei Milliarden US Dollar

Im Kampf gegen Unkraut und Schädlinge, welche rund 15 Prozent der Weltproduktion zu Nichte machen, werden jährlich Chemikalien im Wert von zwei Milliarden US Dollar eingesetzt. Davon ist knapp die Hälfte gemäss den Richtlinien der WHO als gefährlich einzustufen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass sich dies in der Natur bemerkbar macht: In den Plantagen geht der erhebliche Pestizideinsatz mit einer Verschlechterung der Bodenqualität und ferner einem Rückgang im Ertrag einher. Nach Regenfällen oder intensiver Bewässerung werden die Chemikalien zudem in angrenzende Gebiete oder Gewässer ausgeschwemmt, was sich negativ auf die Biodiversität auswirkt. Abgesehen davon verschlingt der Anbau von Baumwolle riesige Wassermengen: Für ein Kilogramm Baumwolle aus konventioneller Herstellung werden 10’000 Liter Wasser benötigt.

Für die Produktion einer Jeans werden insgesamt 8000 Liter Wasser aufgewendet. Bei einer Bio-Jeans kann dieser Anteil - abhängig vom Hersteller - um bis zu 90 Prozent reduziert werden. | © Joshua Miller [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Für die Produktion einer Jeans werden insgesamt 8000 Liter Wasser aufgewendet. Bei einer Bio-Jeans kann dieser Anteil – abhängig vom Hersteller – um bis zu 90 Prozent reduziert werden. | © Joshua Miller [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Laut Untersuchungen von Fairtrade International werden beim Anbau von Fairtrade-Baumwolle die ökologischen Auswirkungen um 31 Prozent dezimiert. Für diesen Effekt sind die Richtlinien des Labels verantwortlich, welche unter anderem die Verwendung biologischer Pflanzenschutzmittel fördern oder Pufferzonen in Gewässernähe festlegen, in welchen die Verwendung von Chemikalien untersagt ist.

Schulden treiben Bauern in den Selbstmord

Mit einer Reduktion der negativen Auswirkungen um 97 Prozent sind die Vorteile des Fairtrade-Anbaus aus sozialer Sicht gar noch umfassender. Dies ist zu einem grossen Teil auf den Verzicht von genetisch-modifizierten (GM) Baumwollpflanzen zurückzuführen. In der Hoffnung den Ertrag zu steigern kaufen viele Bauern das teuere GM-Saatgut und geraten damit in einen Teufelskreis. Denn mit dieser einmaligen Investition ist es längst nicht getan. Der Anbau von GM-Baumwolle setzt zusätzlich den Kauf spezieller Dünger und Insektizide voraus und die Samen müssen jedes Jahr neu erworben werden. Auf diese Weise häufen die Bauern gewaltige Schuldenberge an, deren Abbau in absehbarer Zeit unmöglich scheint. Die beworbene Ertragssteigerung bleibt zudem auf lange Zeit gesehen aus. Die tragische Folge dieser Umstände: Viele der Bauern begehen Suizid. In Indien, wo rund 90 Prozent der angebauten Baumwolle aus GM-Samen stammen, gab es seit 1995 Zehntausende Bauern, für die der einzige Ausweg der Selbstmord zu sein schien.

Fairtrade und Bio sind die beste Wahl

Zusammenfassend sind die resultierenden sozialen und ökologischen Kosten bei Fairtrade-Baumwolle um ein Fünffaches kleiner im Vergleich zu konventionell hergestellter Baumwolle. Es lohnt sich also, wenn Sie sich beim nächsten Kleiderkauf für die Fairtrade-Variante entscheiden.

Die Verantwortlichen von GOTS haben das Ziel "Anforderungen zu definieren, um den ökologischen Status von Textilien, angefangen von der Gewinnung textiler Rohfasern über umweltverträgliche und sozial verantwortliche Herstellung bis zur Kennzeichnung der Endprodukte zu gewährleisten und dadurch eine glaubwürdige Produktsicherheit für den Endverbraucher zu erzielen". | © GOTS
Die Verantwortlichen von GOTS haben das Ziel „Anforderungen zu definieren, um den ökologischen Status von Textilien, angefangen von der Gewinnung textiler Rohfasern über umweltverträgliche und sozial verantwortliche Herstellung bis zur Kennzeichnung der Endprodukte zu gewährleisten […]“ | © GOTS

Noch besser ist natürlich der Griff nach biozertifizierter Baumwollkleidung, die den Einhalt strikterer Forderungen, insbesondere im Umweltbereich, voraussetzt. Bekannte Labels sind dabei GOTS und naturaline von Coop, die durch die Zusammenarbeit mit bioRe eine lückenlose Rückverfolgung vom Anbau bis zum fertigen Kleidungsstück ermöglicht.

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