Biber, der aus dem künstlichen Bau schwimmt | © Biberfachstelle Kanton Zürich
Biber, der aus dem künstlichen Bau schwimmt | © Biberfachstelle Kanton Zürich

Baumeister Biber nicht so leicht zu überlisten

  • Judith Schärer
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Fleissige Biber im Kanton Zürich sorgten immer wieder für Unmut: Löcher im Weg boten gefährliche Stolperfallen. Die Tiere sollten deshalb mit einem Kunstbau von ihren Grabungen abgehalten werden. Allerdings lässt sich der Biber nicht ganz so einfach austricksen.

Am Mülibach in Stammheim leben bereits seit einigen Jahren mehrere Biber. Ihre intensiven Grabaktivitäten führten regelmässig zu massiven Ufererosionen und Löchern im Weg, welche für Spaziergänger und Reiter eine erhebliche Sturzgefahr darstellten. Steine, welche als Massnahme gegen den Biber in die Uferböschung verlegt wurden, nützten nichts: die Tiere gruben sich untendurch. Jedes Jahr musste deshalb der Uferweg an derselben Stelle gesperrt und die Löcher aufgefüllt werden, was zu hohen Kosten führte.

Um diesen jährlichen Aufwand zu umgehen, beschlossen die kantonale Jagdverwaltung und die Biberfachstelle Kanton Zürich, an dieser Stelle einen Kunstbau für den Biber zu erstellen. Dieser fordert nur eine einmalige Investition, anstatt jährlich teure Massnahmen durchführen zu müssen. Der künstliche Bau soll verhindern, dass der Biber an einer anderen, ungeeigneten Stelle Löcher gräbt und Schäden am Uferweg verursacht.

Der künstliche Biberbau in Bearbeitung | © AWEL
Der künstliche Biberbau in Bearbeitung | © AWEL

Im Frühling wurde dann wie geplant als Versuchsprojekt eine Betonröhre als neues Heim für die Biber verlegt. Der Eingang liegt unter Wasser, das andere Ende unter der Strasse. Mit einer Betonabdeckung wird verhindert, dass sich die Tiere weiter ins Erdreich graben. Damit sie sich dennoch heimisch fühlen, ist die Röhre zur Hälfte mit Erde gefüllt.

© AWEL
Längsschnitt durch den Kunstbau (1:50)| © AWEL

Nach Fertigstellung des Baus wurden die Biber mit Äpfeln in die neue Behausung gelockt. Anfangs hatten die Tiere den vom Menschen gebauten Bau angenommen und Gefallen daran gefunden: Zwei Wochen nach dem Einbau wurden bereits zwei erwachsene Biber darin entdeckt. Allerdings waren die Tiere mit der Lösung doch nicht vollkommen glücklich, wie die Biberfachstelle Kanton Zürich berichtet. Nach einiger Zeit hatten die Biber direkt neben dem Bau noch ein zweites Loch gegraben. Dieses wird nun diesen Herbst geschlossen und die Biber mit Äpfeln und Weiden erneut im Kunstbau angefüttert. Gespannt wartet man darauf, wie die Biber auf diese Massnahme reagieren werden.

Immer öfters Probleme

Die Biber-Population hat sich im Kanton Zürich gemäss Bericht der Biberfachstelle in den vergangenen drei Jahren von 250 auf 306 Tiere vergrössert, 87 Reviere sind im Kanton verteilt. Kein Wunder, kommt es immer öfter zu Problemen mit Biberbauten an unpassenden Standorten. Wenn sich die Jungtiere im Frühling auf die Suche nach einem eigenen Revier machen, werden sie immer seltener fündig. So lassen sie sich vermehrt auch an weniger geeigneten, kleineren Bächen nieder und führen zu Problemen wie am Mülibach.

Die Massnahme, einen künstlichen Biberbau zu erstellen, wird in anderen Kantonen schon mehrfach angewendet. Ziel davon ist jedoch nicht, Biber zu fördern. Es handelt sich vielmehr um eine Präventionsmassnahme, um Schäden zu verhindern.

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