BAFU will Kormoran-Kolonien „regulieren“ – auch in Wasservogel-Schutzgebieten

  • Redaktion Naturschutz
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Der Kormoran etabliert sich in der Schweiz und anderen Ländern Mitteleuropas als Brutvogel. 2007 wurden in der Schweiz 350 Brutpaare in sieben Kolonien gezählt. Das Bundesamt für Umwelt BAFU hat nun beschlossen, den Fischern einseitig entgegenzukommen und will nun sogar gegen Kolonien in international bedeutenden Schutzgebieten vorgehen. Schweizer Vogelschutz SVS und Pro Natura wehren sich gegen die neuen Pläne.

Gemäss dem von allen Parteien gemeinsam verabschiedeten Massnahmenplan Kormoran und Fischerei von 2005 sollen Kormorankolonien an grösseren Seen unbehelligt bleiben, an Fliessgewässern aber verhindert werden. Wegen finanziellen Einbussen fordern die Berufsfischer nun aber weitergehende Eingriffe. Ihre Forderungen betreffen besonders die 250 Brutpaare umfassende Kolonie im Wasser- und Zugvogelreservat Fanel-Chablais de Cudrefin, einem international bedeutenden Vogelschutzgebiet. Das BAFU nun folgende Beschlüsse gefasst:
– Das BAFU lanciert auf dem Neuenburgersee ein Projekt, in welchem Massnahmen zur Schadenprävention an den Netzen entwickelt werden sollen.
– Den Kantonen wird empfohlen, Abschüsse von einzelnen Kormoranen an den ausgelegten Netzen zu bewilligen.
– Das BAFU leitet eine Änderung der Verordnung über die Wasser- und Zugvogelreservate von internationaler und nationaler Bedeutung (WZVV) in die Wege. Dabei soll den Kantonen die Möglichkeit gegeben werden, bei „übermässigen“ Schäden auch in die Brutkolonien in den Schutzgebieten regulierend einzugreifen.

Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und Pro Natura wehren sich gegen das letzte Ansinnen. Die Wasser- und Zugvogelreservate seien die wichtigsten Schutzgebiete für Wasservögel und bildeten das Rückgrat für deren Schutz. Eine Aufweichung des Schutzstatus auf Grund von Partikularinteressen würde anderen Eingriffen Tür und Tor öffnen. Eine vom BAFU in Auftrag gegebene Studie zeige zudem klar, dass auch ein massives Eingreifen an den Kolonien nur einen kurzfristigen Effekt zeigen würde. Das Zerstören von zwei Dritteln der Eier einer einheimischen Brutvogelart widerspreche sowohl ethischen Grundsätzen als auch den gesetzlichen Grundlagen. (sb)

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Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz
BAFU

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