© Fabien Perissinotto [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia
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Auswirkungen eines Tiefenlagers auf die Standortregionen

  • Roman Vonwil
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Geologische Tiefenlager für radioaktive Abfälle haben wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Auswirkungen auf eine Standortregion. Diese sollen möglichst früh und objektiv identifiziert werden, um negativen Entwicklungen entgegenzuwirken. Mit diesem Ziel hat das Bundesamt für Energie (BFE) seit 2011 in allen sechs potenziellen Standortregionen eine kantonsübergreifende sozioökonomisch-ökologische Wirkungsstudie (SÖW) durchgeführt. Nun liegt der Schlussbericht dieser Studie vor, den die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) als oberflächlich kritisiert.

Die sozioökonomisch-ökologische Wirkungsstudie (SÖW) sei in allen Standortregionen nach der gleichen, in Etappe 1 des Sachplanverfahrens von Bund, Kantonen und Vertretern aus Deutschland festgelegten Methodik durchgeführt worden wie das Bundesamt für Energie (BFE) mitteilt. Das Ziel- und Indikatorensystem umfasse über 40 Indikatoren (Messgrössen) für die Wirkungsbereiche Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft. Die SÖW betrachte dabei die drei Hauptaktivitäten Bau, Betrieb und Verschluss eines Tiefenlagers über einen Zeitraum von knapp 100 Jahren.

Laut dem BFE soll das Ziel- und Indikatorensystem der SÖW möglichst objektivierbare Wirkungen beurteilen. Weil sich über einen so langen Zeitraum viele Rahmenbedingungen verändern könnten, seien dabei die möglichen Wirkungen aufgrund heutiger Strukturen und Planungsabsichten ausgewiesen worden.

Im Wirkungsbereich Umwelt zeigt die SÖW, dass die grössten Auswirkungen von Tiefenlagern bezüglich Flächenverbrauch, Fruchtfolgeflächen, Ausbruchmaterial sowie Wildtierkorridoren zu erwarten sind. Wenig oder keine Wirkungen ergäben sich auf Schutzgebiete und Grundwasserschutzzonen, da diese aufgrund der Kriterien des Standortsuchprozesses bereits weitgehend ausgeschlossen seien.

Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) kritisiert die SÖW als „oberflächlich“. Das ungelöste Problem der Atommüllentsorgung liege nicht an der Erdoberfläche. Das Hauptproblem, welches es zu erforschen und zu lösen gelte, bestehe darin, ein möglichst sicheres Atommülllager zu konzipieren und den idealen Schweizer Ort dafür zu finden. Hochgiftiger Atommüll müsse während Jahrtausenden sicher vor der Biosphäre verwahrt werden. Fragen zur kurzfristigen Verkehrs- oder Arbeitsplatzentwicklung eines potentiellen Standorts, wie sie in der vorgelegten Studie gestellt würden, seien in Anbetracht der zeitlichen Dimensionen schlicht nicht von Bedeutung. „Die SÖW-Studie könnte die Wahl nach dem sichersten Standort sogar negativ beeinflussen und die Sicherheit als oberste Priorität zurückstellen“, befürchtet SES-Projektleiterin Sabine von Stockar.

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