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Aussergewöhnliche nordische Gäste

  • Monika Jung
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kurzschabelgans_kDas gab es noch nie: Gleich fünf verschiedene Gänsearten lassen sich zur Zeit im Grossen Moos nebeneinander bewundern, nämlich zahlreiche Grau-, Saat- und  Blässgänse, dazu als grosse Seltenheit eine Ringelgans und – zum ersten Mal überhaupt in unserem Land – eine Kurzschnabelgans. Gleich daneben sind auch Sing- und Zwergschwäne zu sehen. Der ungewöhnlich frühe und harte Wintereinbruch in Nord- und Mitteleuropa im Dezember zwang zahllose Wasser- und Greifvögel zur Flucht gegen Süden. Die Schweizerische Vogelwarte beobachtet momentan die grössten Zahlen von Wildgänsen, Schwänen und Raufussbussarden seit 25 Jahren.

In den letzten Jahren waren Saat- und Blässgänse in der Schweiz immer spärlichere Wintergäste geworden. Die milden Winter hatten zur Folge, dass Teile der Ostsee und viele Gewässer im nördlichen Mitteleuropa eisfrei blieben. Damit hatten die Gänse zusammen mit vielen anderen Wasservögeln so günstige Bedingungen, dass sie den Winter dort verbringen konnten. Die Kältewellen, die im November und Dezember über Europa vorstiessen, zwangen diese Vögel in grosser Zahl zur Flucht. Viele davon gelangten auch in die Schweiz. Seit dem Winter 1986/87 sind nie mehr so grosse Zahlen registriert worden. Dank den aktuell milden Temperaturen geniessen die Vögel nun eine unproblematische Zeit bei uns und können etwas auftanken.

Die Kurzschnabelgans brütet nur in Ostgrönland, auf Island und Spitzbergen. Der Zwergschwan ist ein Bewohner der arktischen Tundra und nistet von Westsibirien an ostwärts. Gänse wie Schwäne sind kräftige, ausdauernde Flieger, die auch in grosser Höhe unterwegs sein können. Selbst die „normalen“ Höckerschwäne fliehen in solchen Wintern über Hunderte von Kilometern vor der Kälte. So ist in Graubünden eben ein Höckerschwan entdeckt worden, der in Tschechien beringt wurde. Zu Schwänen und Gänsen gesellen sich verschiedene andere nordische Wasservögel wie Samtente, Zwergsäger, Brandgans und Sturmmöwe, die seit Dezember in überdurchschnittlicher Zahl eingeflogen sind.

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Bild: Jari Peltomäki/Vogelwarte

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