© Voice of America [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
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Ausmass der Umweltkatastrophe in Tianjin noch unklar

  • Judith Schärer
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Nach der verheerenden Explosion einer Lagerhalle für Gefahrengut in der Industriemetropole Tianjin in China am 12. August steigt nun die Angst vor den langfristigen Konsequenzen. Auf dem Gelände sollen sich insgesamt 3000 Tonnen zum Teil hochgiftige Chemikalien befunden haben, welche nun in Wasser und Luft gelangen.

Am Wochenende gaben die chinesischen Behörden erstmals zu, dass bei der Explosion hochgiftige und zum Teil lebensgefährliche Stoffe freigesetzt wurden. In den ersten Tagen nach der Explosion versicherten sie noch, dass keine Gefahr für die Öffentlichkeit bestünde. Mittlerweile ist jedoch klar, dass in dem Lagerhaus, wo die Explosion passierte, riesige Mengen an Natriumcyanid, Ammoniumnitrat und Kaliumnitrat lagerten, deren Austreten nun eine starke Belastung der Umwelt hervorrufen und für die Menschen unvorhersehbare gesundheitliche Konsequenzen haben kann. Drei Tage nach der Explosion wurde deshalb das Gebiet weitläufig evakuiert. Die Menschen wurden zudem aufgefordert, sich so weit wie möglich vom Unglücksort zu entfernen sowie Schutzkleidung und Masken zu tragen.

Die Situation verschärfte sich noch zusehends durch das Einsetzen von Regen, welcher die Rettungsarbeiten erschwerte und die Ausbreitung der Chemikalien begünstigte. Auf den Strassen bildete sich eine weisse Flüssigkeit und schürt nun die Angst, dass verseuchtes Wasser ins Meer sowie ins Grundwasser gelangen könnte. Durch die Detonationen entstand ein riesiger Krater, in welchem sich nun zehntausende Tonnen Wasser befinden, welches in den nächsten Tagen abgepumpt und behandelt werden soll. Auch die Luftqualität ist besorgniserregend. Niemand weiss genau, welche gefährlichen Stoffe sich in den dunklen Smogwolken befinden, welchen die Einwohner schutzlos ausgesetzt sind.

Erste Meldungen berichteten von einer Menge von rund 700 Tonnen Natriumcyanid, welches im Lagerhaus aufbewahrt wurde. Dies wäre ein Mehrfaches der erlaubten Menge. Auch andere Fakten deuten darauf hin, dass mehrere Vorschriften nicht eingehalten wurden und den Behörden katastrophale Fehler unterlaufen sind. Inzwischen wird gegen die verantwortlichen Personen sowie den Betreiber der Lagerstätte ermittelt.

Was genau ist Natriumcyanid?

Natriumcyanid ist bei Raumtemperatur ein farbloses, kristallines Pulver. Kommt es mit Wasser in Berührung, kann es hochentzündlich fungieren. Der Stoff ist äusserst giftig und kann in grösseren Mengen eine extreme Belastung des Ökosystems darstellen. Werden Staub oder Dämpfe des Stoffes eingeatmet, kann dies zu Bewusstlosigkeit, Luftnot und zum Tod durch Atemlähmung führen, da der Sauerstofftransport blockiert wird. Verwendung findet Natriumcyanid vor allem in der Metallherstellung. Es dient beispielsweise zur Gold- und Silbergewinnung oder zur Härtung von Stahl. Auch wird bei der Herstellung von Autokarosserien ein Rostschutz damit erzeugt.

Bisher sind 114 Todesfälle aufgrund der Katastrophe in Tianjin bestätigt, zudem wird von 57 Schwerverletzten ausgegangen und über 70 Personen sind noch vermisst. Die Zahlen wachsen jedoch ständig und welche längerfristigen Konsequenzen die verheerende Umweltkatastrophe haben wird, ist unklar.

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