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    Der Tintenfischpilz (Clathrus archeri) © Beatrice Senn-Irlet/WSL

    Ausländische Pilzarten breiten sich aus

    • Cécile Villiger
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    In der Schweiz gibt es immer mehr Pilze, die hier ursprünglich nicht vorkamen. Forschende der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) haben erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme dieser „neuen Pilze“, der sogenannten Neomyceten, erstellt. Unter den gut 300 Arten finden sich viele Parasiten von Garten- und Wildpflanzen, einige geniessbare Pilze – und sogar die eine oder andere Kuriosität.

    Der globale Handel und die Klimaerwärmung erleichtern es nicht nur gebietsfremden Pflanzen und Tieren, sondern auch Pilzen, sich in der Schweiz auszubreiten. Manche richten grossen wirtschaftlichen und ökologischen Schaden an, zum Beispiel sterben beim Eschentriebsterben oder dem Kastanienrindenkrebs viele der befallenen Bäume frühzeitig ab.

    Die WSL-Pilzexperten Ludwig Beenken und Beatrice Senn-Irlet dokumentieren in ihrem soeben veröffentlichten Bericht rund 300 durch den Menschen eingeschleppte Pilzarten. 13 davon sind neu für die Schweiz, darunter ein auffällig oranger, tropischer Hutpilz (Favolaschia calocera), der letztes Jahr im Tessin entdeckt wurde. Die meisten Neomyceten stammen ursprünglich aus Nordamerika, Asien oder dem Mittelmeerraum. Von vielen ist die Herkunft indes unbekannt.

    Drei Viertel der Neulinge sind Parasiten, die auf ebenfalls nicht in der Schweiz heimischen Pflanzen leben, dabei handelt es sich vor allem um Krankheitserreger für Gartenpflanzen. Zusammen mit ihren Wirtspflanzen werden die Neomyceten über den Pflanzenhandel nach Europa und entweder über den Handel oder den Sporenflug auch in die Schweiz eingeschleppt. Die meisten kommen im Mittelland vor, wo viele Menschen leben und Gärten bepflanzen.

    Der auffällige feuerrote, nach Aas stinkende Tintenfisch-Pilz Clathrus archeri, der einem kopfüber im Boden steckenden Tintenfisch gleicht ernährt sich von totem Pflanzenmaterial und richtet keine Schäden an. Er stammt aus Australien und wurde 1942 das erste Mal in der Schweiz nachgewiesen. Inzwischen kommt er im ganzen Jura und im Voralpenbogen vor.

    Der ungewollte Import von Pilzen in die Schweizer Umwelt wird in Zukunft weiter zunehmen, sagen die Wissenschaftler. „Je mehr lebende Pflanzen transportiert werden, desto mehr kommen auch ihre ‚Begleiter‘ mit“, sagt Senn-Irlet. Um die Einschleppung neuer Neomyceten vorzubeugen, sollten Importe lebender Pflanzen, aber auch Substrate wie Holz und Erde, umfassender kontrolliert werden als es derzeit der Fall ist, empfehlen sie.

    Den WSL-Bericht über die Neomyceten in der Schweiz können Sie hier lesen.

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