© W*** [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Ausbau des Schabellgrates nicht gesetzeskonform

  • Roman Vonwil
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Ende August hat der Glarner Regierungsrat die Beschwerde der Umweltverbände Pro Natura Glarus, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz SL und mountain wilderness gegen den Ausbau des Schabellgrates ohne überzeugende Begründung abgewiesen und die Bewilligung für das umstrittene Projekt bestätigt. Die Verbände erheben gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Glarner Verwaltungsgericht. Die geplante Aussichtsplattform und die Hängebrücke widersprechen geltenden rechtlichen Bestimmungen.

Der Schabellgrat oberhalb von Elm soll touristisch in Wert gesetzt werden. Dazu sind eine Aussichtsplattform direkt unterhalb des Gipfels des 2126 m hohen Schabell sowie ein gesicherter Gratweg mit einer rund 45 m langen Hängebrücke sowie ein Höhenweg geplant. Die Bauwerke sind Teil des Gesamtprojektes AVANTI, welches dazu beitragen soll, die Ferienregion Elm zum führenden Anbieter einer alpinen Erlebniswelt im Raum Zürich zu machen.

Die Umweltverbände bringen Verständnis dafür auf, dass sich die Region Elm touristisch weiterentwickeln möchte, und stellen daher den Ausbau des Schabell-Gratweges auch nicht grundsätzlich in Frage. Weitere Elemente des Projektes sind jedoch wenig durchdacht: Mit der Hängebrücke ohne eigentliche Funktion wird blind dem Trend zur unnötigen Möblierung der Berge gefolgt. Und die erwarteten zweistelligen Zuwachsraten des Tourismus im Sernftal dürften damit kaum erreicht werden.

Die geplante Aussichtsplattform sowie die Hängebrücke liegen beide ausserhalb der Bauzone und inmitten eines Jagdbanngebietes und müssen deshalb strengen gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf Natur- und Landschaftsschutz genügen. Sie widersprechen insbesondere dem Grundsatz, dass unberührte und exponierte Berggipfel und Kreten von Bauten freizuhalten sind. Zudem ist die Aussichtsplattform gerade für ältere Personen oder Familien mit Kindern schlecht erreichbar – obwohl diese zur Hauptzielgruppe des Projekts gehören. Die Hängebrücke übernimmt keinerlei Brückenfunktion – vielmehr ist es problemlos möglich, die sanfte Mulde auf dem Schabellgrat zu Fuss zu durchqueren.

Weiter bedauern die involvierten Umweltverbände Pro Natura Glarus, mountain wilderness und Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, dass ihr Vorschlag, die Aussichtsplattform in die unmittelbare Nähe der Gipfelstation des Schabell-Sessellifts zu versetzen, nicht ernsthaft in Betracht gezogen wurde. Dieser Standort wäre deutlich landschaftsschonender, zudem wäre die Plattform für die gesamte Zielgruppe gut erreichbar.

Die Umweltverbände erachten die gesetzlichen Anforderungen für eine Bewilligung der Aussichtsplattform und der Hängebrücke als nicht erfüllt und gelangen mit einer Beschwerde an das Glarner Verwaltungsgericht. Sie verlangen, dass die Bewilligung für den Bau der Aussichtsplattform und der Hängebrücke aufgehoben und das Projekt in dieser Form nicht bewilligt werden soll.

1 Kommentar

  • Urs Heinz Aerni

    Die Bergwelt immer mehr für das Tourismusgeschäft zu urbanisieren könnte sich zu einem Bumerang entwickeln, denn die Marke der Berge ist die Nähe zur schlichten Natur und nicht der Kick für die Massen der Tagestouristen. Langfristige Planung mit Blick auf eine Nachhaltigkeit in Sachen Werterhaltung scheint wohl immer weniger das Kerngeschäft von Behörden und Politik zu sein. Es gibt auch eine Zeit nach Ihrer Ab- oder Nichtiwederwahl, meine Damen und Herren der öffentlichen Verwaltung.

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