© Dean Hochmann [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
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Foodwaste wird zu Autoreifen verarbeitet

  • Mélanie Guillebeau
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Anstelle von Russ könnten schon bald Tomatenhaut und Eierschale als Füllmaterial bei der Reifenproduktion zum Einsatz kommen. Wenn es um Performance geht, übertreffen die „Öko“-Pneus sogar den bisherigen industriellen Standard-Pneu. 

Ein Autoreifen bestehen nicht einfach nur aus Gummi – obschon Kautschuk mit 40 Prozent den Hauptbestandteil ausmacht – sondern aus einem fein abgestimmten Mix aus synthetischem oder natürlichem Kautschuk, Weichmacher und Füllstoff. Der Füllstoff gewährleistet eine gleichbleibende Konsistenz und gibt dem Reifen zudem seine charakteristische Farbe – denn der Füllstoff ist nichts Geringeres als ein Gemisch aus Silica und Russ.

Erdöl als Hauptbestandteil

Der in Pneus vorgefundene Russ hat aber nichts mit dem schwarzen Zeugs zu tun, das sich entlang Ihres Rauchabzuges sammelt. Vielmehr ist es ein vielseitig eingesetzter Rohstoff in der Industrie, wo er, um Verwechslungen zu vermeiden, auch „Carbon Black“ genannt wird. Russ wird durch die Verbrennung von Erdöl hergestellt. Und hier beginnt das Problem: Einerseits ist der Abbau von Erdöl aus ökologischer Sicht bedenklich, andererseits ist das Vorkommen begrenzt und in absehbarer Zeit ausgeschöpft. Und der Bestandteil an Russ in einem Pneu ist mit 30 Prozent beträchtlich. Zusammen mit dem verwendeten Isopren – einem synthetischen Kautschuk – stecken in einem Reifen 28 Liter Öl. Wie so oft ist man daher auch hier auf der Suche nach einem Ersatz für das eingesetzte Erdöl.

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Ölraffinerien laufen heiss, um unter anderem die Erdöl-intensive Reifenproduktion zu ermöglichen. | © jp26jp [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Und Forscher von der Ohio State University haben eine Lösung gefunden, wie Russ eingespart und gleichzeitig das Problem von Foodwaste angegangen werden kann. Die Forschungsgruppe um Katrina Cornish hat eine  Bandbreite an weggeworfenen Lebensmitteln, von Sauerkrautsaft bis hin zu Teigresten, auf deren Tauglichkeit als Reifen-Füllmaterial getestet. Wie ZME Science berichtet, konnten dabei Tomatenhaut und Eierschale überzeugen.

Ökologisch, praktisch, gut!

Eierschalen sind mit einer Vielzahl kleinster Poren versehen, wodurch sie eine grosse Oberfläche – und folglich hohe Kontaktfläche mit dem Gummi – aufweisen. Die Haut von Tomaten ist sehr zäh und selbst bei erhöhten Temperaturen stabil. In Kombination besitzen die ökologischen Russ-Ersätze optimale Eigenschaften für den Einbau im Reifen. Dies geht sogar so weit, dass die „Ökö“- Pneus mit dem wiederverwerteten Füllmaterial eine bessere Performance aufweisen als herkömmliche Reifen. Cindy Barrera, eine Mitarbeiterin der Forschungsgruppe von Cornish, erklärt den Vorteil des neuen Füllmaterials folgendermassen:

„In der Regel macht das Füllmaterial Reifen stärker, aber zugleich auch weniger elastisch. Wir haben herausgefunden, dass durch das Ersetzten von Russ mit gemahlenen Eierschalen und Tomatenhaut synergistische Effekte erzeugt werden: So wurde der Reifen stärker, während die Elastizität erhalten wurde.“

Um Reifen aus komplett erneuerbaren Ressourcen herstellen zu können, muss ebenfalls eine Alternative für den verwendeten Isopren-Kautschuk gefunden werden. Solch eine Alternative haben Forscher von der Universität Minnesota möglicherweise bereits gefunden. Mit ihrer Methode kann Isopren-Kautschuk auf Basis von Zucker hergestellt werden, welcher auf nachhaltige Weise gewonnen wird.

Gut möglich also, dass wir schon bald mit nachhaltig produzierten, rostbraunen – denn diese Farbe nehmen Reifen mit dem ökologischen Füllmaterial an – Reifen umherdüsen.

Die gemahlenen Eierschalen und Tomatenhaut verleihen dem "Öko"-Pneu eine rostbraune Farbe. © Katrina Cornish
Die Verwendung von getrockneter, gemahlener Tomatenhaut und Eierschalen verleiht dem „Öko“-Pneu eine rostbraune Farbe. © Katrina Cornish

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