Ein Bartgeier. | © jayhem [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Ein Bartgeier. | © jayhem [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Aufwind für die Bartgeier                    

  • Mélanie Guillebeau
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Der europaweite Effort, den Bartgeier im Alpenraum zu unterstützen, trägt Früchte: In den Aufzuchtstationen sind dieses Jahr bereits 20 junge Bartgeier geschlüpft.

Der Bartgeier – der seinen Namen dem dunklen, borstigen Bart verdankt – ist mit einer Spannweite von bis zu drei Metern die grösste Brutvogelart der Alpen. Der imposante Alpenbewohner stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts kurz vor dem Aussterben. Dank der Lancierung des Wiederansiedlungsprojektes im Jahre 1986 hat der Bartgeier den Weg zurück in die Alpen gefunden. Mittlerweile umfasst das Wiederansiedlungsprojekt 40 Zoos und fünf Zuchtstationen in ganz Europa. Und wie jedes Jahr zu dieser Zeit erblicken dort, die ersten Bartgeierküken das Licht der Welt – bis jetzt unglaubliche 20 an der Zahl.

Kein einfacher Start ins Leben

Die Brutzeit beginnt zwischen Ende Dezember und Ende Februar. Nach ungefähr 55 Tagen schlüpfen die jungen Bartgeier und sind bereit für ihre erste Mahlzeit, welche nicht wie bei den Adulten aus Knochen, sondern aus Frischfleisch besteht. Für das Küken ist der Weg aus dem Ei kein leichter und kann gut und gerne mal zwei Tage in Anspruch nehmen. Oft ist es auch auf die Hilfe der Bartgeier-Eltern oder, bei „Brutkasten-Küken“, der Betreuer der Zuchtstationen angewiesen.

Nach rund 90 bis 100 Tagen werden die Jungtiere den wohlbehüteten Horst der Eltern verlassen müssen, die Auswilderung steht bevor. An verschiedenen Standorten, dieses Jahr auch wieder in der Schweiz, werden die Jungtiere in Zweier- bis Dreiergruppe in die Freiheit entlassen. Doch ganz auf sich alleine werden die jungen Bartgeier noch nicht gestellt sein. Freiwillige werden die Jungtiere in die Selbstständigkeit begleiten und noch regelmässig mit Futter versorgen.

Diese Wiederansiedlungsmethode beschert gute Erfolgsaussichten. 88 Prozent der Jungtiere überleben das erste Jahr. In den Folgejahren steigt dieser Anteil weiter auf 96 Prozent, was einmalig ist für die Wiederansiedlung von Wildtieren.

Nebst den Erfolgen in den Wiederansiedlungsprojekten können auch vermehrt Brutpaare in der Wildnis beobachtet werden. In der Schweiz wurden 33 wild lebende Brutpaare gezählt, wovon 13 Eier ausbrüten und für Nachwuchs sorgen.

Rund 250 Bartgeier ziehen ihre Kreise

Im letzten Oktober sind Bartgeier- und Naturfreunde aus der Schweiz, Italien und Österreich zur Zählung des Alpenbewohners aufgefordert worden (naturschutz.ch berichtete). Nun liegen die Resultate des internationalen Bartgeier-Beobachtungstags vor.

Gemäss der Stiftung Pro Bartgeier Schweiz haben 770 Personen 500 Bartgeier-Beobachtungen gemeldet. Dabei muss beachtet werden, dass einige Beobachtungen sich überlappen, also das gleiche Tier mehrfach gesichtet wurde. Unter Berücksichtigung dieser Mehrfachzählungen wird der momentane Bestand in den Alpen auf 250 Tiere geschätzt. Die langjährigen Bemühungen sorgen also für spürbaren Aufwind bei den Bartgeiern.

Weitere Informationen zum Bartgeier finden Sie auf der Website der Stiftung Pro Bartgeier.

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