© Stephanie Kroos, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
© Stephanie Kroos, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr

Auf den Wurm gekommen                              

  • Cécile Villiger
  • -

Regenwürmer leisten einen entscheidenden Beitrag für Bodenfruchtbarkeit, Erosionsschutz und Hochwasserprävention. Doch Monokulturen, Dünger und Pestizide setzen ihnen zu.

Auf Mais-Monokulturen hin ausgerichtete Fruchtfolgen hungern die Regenwürmer förmlich aus, Gülle-Ammoniak verätzt sie, zu viel Bodenbearbeitung zerschneidet sie und Glyphosat vermindert ihre Fortpflanzung. In den meisten Äckern leben durchschnittlich nur drei bis vier, maximal zehn verschiedene Arten. In der Landwirtschaft ist auch die absolute Bestandszahl gering: vor allem mit eintöniger Fruchtfolge und starkem Maschinen- und Chemieeinsatz sinkt sie auf unter 30 Tiere pro Quadratmeter. Der Durchschnitt in kleinstrukturierten Äckern liegt bei rund 120 Exemplaren, auf wenig gepflügten Öko-Äckern können über 450 Würmer gezählt werden, berichtet der WWF Deutschland in seinem „Regenwurm-Manifest“. In unserem Nachbarland sind 46 Regenwurmarten beheimatet. Mehr als die Hälfte davon wird als „sehr selten“ oder sogar „extrem selten“ eingestuft, in der Schweiz ist anzunehmen, dass die Lage nicht viel anders aussieht.

Die Folgen der Regenwurm-Armut für die Landwirtschaft: Zu kompakte, schlecht durchlüftete Böden, die zu wenig Wasser aufnehmen oder durchleiten. Hinzu können faulende Erntereste oder eine zu langsame Nährstoffrückgewinnung und Humusbildung kommen.

Doch auch weit darüber hinaus warnt die WWF-Analyse vor gefährlichen Kettenreaktionen für den Mensch: Ein Boden mit sehr vielen Regenwürmern nimmt bis zu 150 Liter Wasser pro Stunde und Quadratmeter auf, so viel wie bei starken Regenfällen sonst eher an einem Tag fällt. „Ein an Regenwürmern verarmter Boden reagiert hingegen auf Regen wie ein verstopftes Sieb: Es kommt nicht mehr viel durch. Unzählige kleine Abflussrinnen an der Bodenoberfläche – selbst in Wiesen und Wäldern – vereinigen sich zu reißenden Bächen und zu überbordenden Strömen. Dies führt zu den bekannten Hochwassern und deren Schlammfracht, die nichts anderes ist als abgetragener Boden aus dem Wassereinzugsgebiet“, so Dr. Birgit Wilhelm, Landwirtschaftsreferentin beim WWF Deutschland.

Beitrag kommentieren


Naturschutz.ch-Newsletter abonnieren!