© catlovers [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Asiens wirtschaftlicher Aufschwung bedroht Tiger

  • Cécile Villiger
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Asiens massive Infrastruktur-Pläne bedrohen den Lebensraum des Tigers und könnten die jüngsten Erfolge im Tigerschutz zunichtemachen. Sollen die Tiger überleben, braucht es jetzt eine nachhaltige Planung für den Infrastrukturausbau in den 13 Tigerstaaten, berichtet der WWF.

Laut der Asiatischen Entwicklungsbank sollen zwischen den Jahren 2012 und 2020 acht Billiarden Dollar in Asien in Infrastruktur-Projekte fliessen. Alleine 11’000 Kilometer Strassennetze und Eisenbahnlinien sind geplant, ergänzt von Plänen für Kanäle, Öl-, Gas- und Stromleitungen. Werden diese Infrastruktur-Projekte realisiert, durchschneiden sie wertvolle Tiger-Habitate und heizen Wilderei und Konflikte mit der Bevölkerung an. Dies zeigt der neuste vom WWF publizierte Report «The Road Ahead: Protecting Tigers from Asia’s Infrastructure Development Boom».

Am Tigergipfel in St. Petersburg vor sechs Jahren verpflichteten sich die Regierungen der 13 Tigerstaaten zur Verdoppelung der Tigerbestände bis 2022. «Die globale Zusammenarbeit der Tigerstaaten hat dem Tiger eine Überlebenschance gegeben», sagt Doris Calegari, Verantwortliche Artenschutz beim WWF Schweiz. 2010 lagen die Bestände noch bei 3’200 Tigern. Heute gibt es wieder geschätzte 3’890 Tiger in freier Wildbahn.

Infrastrukturbauten sind wichtig für Asiens Entwicklung, doch müssen sie nachhaltig sein. «Die Regierungen müssen bei der Planung der Infrastrukturbauten enger mit der lokalen Bevölkerung zusammenarbeiten und deren Bedürfnisse berücksichtigen. Übergänge für Menschen sowie Wildtierbrücken müssen sorgfältig geplant sein, damit sie auch wirklich etwas nützen. Nur so können wertvolle Lebensräume erhalten werden, in denen Tiger und andere Wildtiere ihren Platz finden», so Calegari. Dafür müssen die Staaten kritische Tigerhabitate und Migrationskorridore identifizieren und Kernzonen frei von Infrastrukturbauten halten. Die gute Nachricht ist, dass es noch nicht zu spät ist und Lösungsansätze bestehen. Doch handeln die Tigerstaaten jetzt nicht professionell, scheitern sie an ihren eigenen Zielen, die Tigerpopulationen weltweit zu erhalten.

Ein Beispiel in der Mekong-Region veranschaulicht die Entwicklung: Zwischen Bangkok und Dawei in Myanmar sind eine zwei- bis vierspurige Autobahn, eine Bahnlinie, Gas-, Öl- und Hochspannungsleitungen mitten durch die Dawna Tenasserim Region geplant. Letztere ist der wichtigste Lebensraum für 200 der noch 250 lebenden Tiger der Mekong-Region. Alleine für die Autobahn sollen 18 Quadratkilometer Wald gerodet werden. Diese physische Barriere wird Menschen und Tiere trennen sowie bisher abgelegene Gebiete für Raubbau und Wilderei von aussen öffnen.

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