Geld wäre besser in Stadt-Infrastrukturen investiert. | © Rick Payette [CC-BY-SA-3.0], via flickr
Geld wäre besser in Stadt-Infrastrukturen investiert. | © Rick Payette [CC-BY-SA-3.0], via flickr

Appell der Städte: Geld eher im Pendlerverkehr einsetzen

  • Amanda Buol
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In einem Appell empfehlen 118 gewählte Exekutivmitglieder der bevölkerungsreichsten Gemeinden der Schweiz, darunter 25 StadtpräsidentInnen, ein Nein zur zweiten Gotthardröhre. Sie warnen von einer teuren Luxussanierung am Gotthard.

Drei Milliarden Franken soll der Bau der zweiten Gotthardröhre kosten, wobei die späteren Instandhaltungskosten nicht einkalkuliert sind. Die Frage ist nun, von wo das Geld für die Finanzierung des Tunnels kommen werde? Wo würde dieses Geld sonst fehlen? Es gäbe günstigere Lösungen für die Sanierung der ersten Röhre, wie beispielsweise einen Bahnverlad, so die Gegner.

Aus diesem Grund unterzeichneten zahlreiche Exekutivmitglieder der bevölkerungsreichsten schweizer Gemeinden, darunter 25 StadtpräsidentInnen, einen Appell gegen die zweite Röhre. Sie befürchten, dass dieses Geld, welches in die zweite Röhre investiert werden sollte, später bei Lösungen der städtischen Verkehrsprobleme fehlen werde.

„Unsere Strassen sind bereits heute völlig verstopft mit Autos und Lastwagen. Wir haben enormen täglichen Grenzverkehr, nicht nur den Transitverkehr. Eine zweite Röhre würde das Tessin in eine Transithölle verwandeln. Wir leben direkt an der Gotthard-Strecke, deshalb sehen wir sehr genau, was dort passiert.“

Mario Branda, Stadtpräsident Bellinzona.

Bereits heute stehen Tausende Pendler auf dem Weg zu ihrer Arbeit im Stau oder finden keinen Sitzplatz in den überfüllten S-Bahnen. Die Verkehrsinfrastruktur sei längst an die Grenzen gestossen. Ausserdem werden am Gotthard weniger Fahrzeuge pro Tag gezählt (durchschnittlich 17’000) als auf zahlreichen Gemeindestrassen.

„Täglich fahren über 29’000 Fahrzeuge durch den Fäsenstaubtunnel der A4, der in den nächsten Jahren die Kapazitätsgrenze erreichen wird. Der Verkehr wird sich dann seinen Weg durch die Stadt suchen. Hier bräuchte es einen zweiten Tunnel, nicht am Gotthard.“

Peter Neukomm, Stadtpräsident Schaffhausen

Mit dem gleichen Geld, das für den Gotthard aufgewendet werden würde, könnten mehr Verkehrsprojekte in den staugeplagten Regionen realisiert und bedeutend mehr für die Verkehrssicherheit erreicht werden.

„Jedes Kind lernt, dass man sorgfältig mit Geld umgehen muss. Anstatt diese Regel zu befolgen, soll nun für 3 Milliarden am Gotthard eine 2. Röhre gebaut werden. Die täglichen Verkehrsprobleme im Mittelland bleiben derweil ungelöst.“

Alexander Tschäppät, Stadtpräsident Bern

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