http://www.iff.fraunhofer.de/de/presse/2017/app-entlarvt-inhaltsstoffe.html
© Frauenhofer IFF

App erspäht Pestizide in Lebensmitteln

  • Mélanie Guillebeau
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„Bio“-Einkäufer, Nussallergiker und Zöliakie-Betroffene aufgepasst: Noch im Supermarkt können mit der HawkSpex®-App Inhaltsstoffe von Lebensmitteln analysiert werden. Ohne zusätzliche Hilfsmittel – abgesehen von Ihrem Smartphone – erfahren Sie, ob Lebensmittel ungewollte Zusatzstoffe enthalten.

Wer sich im Supermarkt an Bio-Lebensmitteln bedient, oder wessen Auswahl aufgrund von Allergien eingeschränkt ist, muss sich auf die Richtigkeit der Herstellerangaben verlassen. Doch wer weiss, ob der Bio-Apfel nicht doch mit Pestiziden gespritzt wurde. Darum gilt in diesem Fall: Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser! Und wer denkt, dass man dafür auf teure Reagenzien und Analysemaschinen angewiesen ist, hat weit gefehlt.

Kürzlich hat das Frauenhofer-Institut für Fabrikbetrieb- und automatisierung (IFF) die App HawkSpex® entwickelt, mit welcher Inhaltsstoffe allein per Handy ergründet werden können – einzige Voraussetzung ist eine „Selfie“-Kamera auf der Displayseite.

Mit der Hawk-App wird unter anderem das Aufspüren von Pestiziden im Apfel auch für den Otto-Normalverbreaucher möglich sein. | © Pezibear [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Die HawkSpex®-App ermöglicht dem Otto-Normalverbraucher unter anderem das Aufspüren von Pestiziden im Apfel. | © Pezibear [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Wie funktioniert die App?

Das Prinzip ist simpel. Handy zücken, App öffnen und zu untersuchendes Lebensmittel scannen. Und voilà, schon gibt Ihnen die App Rückmeldung über gewünschte Inhaltsstoffe, wie mögliche Pestizidrückstände im Bio-Apfel.

Aber wie genau, soll das jetzt gehen?

Der „echte“ Falke benutzt seine Augen zum Erspähen von Beutetieren. Gleichermassen geht die Erkennung der Inhaltsstoffe bei der HawkSpex®-App, der „digitalen“ Falken-Ausgabe, über die „Augen“ des Smartphones, sprich die Kamera. Im Detail funktioniert das folgendermassen:

Jeder Stoff reflektiert eine bestimmte Menge an Licht von jeder Farbe. Das zurückgeworfene Licht entspricht sozusagen dem Fingerabdruck, der eine eindeutige Bestimmung des Stoffes möglich macht. Mit dem Display wird das Objekt reihenweise und in Sekundenbruchteilen mit roter, grüner und blauer Farbe beleuchtet. Wirft das Display nur rotes Licht auf das Objekt, kann das Objekt auch nur rotes Licht reflektieren – und die Kamera nur rotes Licht messen. Selbige Messungen werden mit den restlichen Farben durchgeführt. Intelligente Algorithmen werten anschliessend aus, zu welchem Stoff das gemessene Profil passt.

Im Gegensatz zu den erhältlichen Konkurrenzprodukten kommt die HawkApp® ohne zusätzliche optische Hilfsmittel, wie ein Prisma, aus. Dieses ist bei den vorhandenen System Voraussetzung für das Funktionieren der Erkennungsfunktion. Das Prisma muss vor die Handykamera montiert werden und sorgt für die Auftrennung des Lichtes. In der neuen Anwendung übernimmt der Display diese Aufgabe.

Vergleichbare Anwendungen nutzten den Display nicht, und mussten stattdessen auf ein Prisma zurückgreifen. | © Albert Panadés [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Vergleichbare Anwendungen nutzten den Display nicht, und mussten stattdessen auf ein Prisma zurückgreifen. | ©
Albert Panadés
[CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Wo gibt es die App zum Download?

Im Moment leider noch nirgends. Es ist zwar bereits eine patentierte Version der App vorhanden, doch für die Veröffentlichung fehlt es an Vergleichsmessungen. Die App muss anhand erster Messungen kalibriert werden und lernen, wie denn nun das Farbprofil eines pestizid-verseuchten Apfels oder das eines Bio-Apfels aussieht. Ziel der Entwickler ist es, die App Ende 2017 auf den Markt zu bringen. Ist es erst mal soweit, können fleissige App-User die Farbprofil-Datenbank mit eigenen Einträgen erweitern:

„Sie vermessen etwa behandelte und unbehandelte Salatköpfe verschiedener Sorten mit der App und schicken die Daten zum Fraunhofer IFF. Forscher prüfen die Messungen und schalten die Anwendung für alle Nutzer frei“, sagt Seiffert, Kompetenzfeldleiter am Fraunhofer IFF.

Welche Anwendungsgebiete hat die App?

Wie schon mehrfach erwähnt, können Lebensmittel auf allfällige allergische oder gesundheitsschädliche Zusatzstoffe untersucht werden – ausgenommen ist aber der Nachweis von kleinsten Spuren, wie es für manche Nussallergiker vonnöten ist.

Möglich ist auch eine Anwendung in der Landwirtschaft. Bevor Dünger verteilt wird, kontrolliert der Bauer mithilfe des Apps den Nährstoffgehalt in seinen Pflanzen. Nur wenn diese nicht ausreichend versorgt sind, kommt der Dünger zum Einsatz.

Selbst beim Gebrauchtwagen-Kauf ist die App von Nützen und kann mögliche Lackschäden aufspüren. | © Riley [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Selbst beim Gebrauchtwagen-Kauf ist die App von Nützen und kann mögliche Lackschäden aufspüren. | © Riley [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Wer Occassion ein Auto ergattert, kann seine Errungenschaft auf allfällige, vertuschte Lackschäden untersuchen. Die App kann Stellen aufspüren, die nicht mit dem Originallack bemalt sind, sondern mit einer – für uns nicht zu unterscheidenden – Farbe nachlackiert wurden.

Hoffen wir also, dass alles weiter nach Plan läuft und wir schon bald einen privaten Lebensmittelprüfer in unserer Hosentasche umhertragen.

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