Cydia pomonella, Apfelwickler

Apfelwickler als Profiteur des Klimawandels

  • Nora Kieselbach
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Gemäss einer von Agroscope in Zusammenarbeit mit Meteo Schweiz durchgeführten Untersuchung wird die Landwirtschaft infolge des Klimawandels in Zukunft mit grösseren Schäden durch Insekten zu rechnen haben. Neue Schädlinge werden einwandern oder sich weiter ausbreiten, aber auch die einheimischen Schadinsekten wie der Apfelwickler werden bei zukünftigen Klimaszenarien zahlreicher und länger in den Obstanlagen überleben können.

Der Apfelwickler ist der wichtigste Schädling im Obstbau. Die Larve dieses Falters bohrt sich dabei als typische „Obstmade“ direkt in die Frucht hinein. Heute treten im Norden der Schweiz pro Jahr ein bis zwei Generationen und im Süden immer zwei Generationen auf, wobei sich die Insekten stark vermehren können.

Die Spezialisten von MeteoSchweiz haben nun für zehn Obstbaustandorte stündliche Wetterdaten für das zukünftige Klima simuliert. Dabei gingen sie davon aus, dass bei einer mittleren Annahme über den weiteren Ausstoss von Treibhausgasen in der Schweiz bis 2060 die Jahresmitteltemperatur je nach Jahreszeit und Region gegenüber heute um 1.2 bis 3.7°C ansteigen wird. Agroscope-Experten haben diese lokalen und zeitlich hochaufgelösten Klimaszenarien anschliessend dazu benutzt, um die Entwicklung des Apfelwicklers im zukünftigen Klima zu modellieren.

Die Resultate zeigen: Im zukünftigen Klima wird der Apfelwickler überall zwei Wochen früher seinen Flug beginnen. Hinzu kommt, dass in allen Gebieten der Schweiz mit einer zusätzlichen Generation von Apfelwicklern zu rechnen ist: in der Nordschweiz statt ein bis zwei dann sogar zwei bis drei Generationen pro Jahr. Die Art wird sich folglich viel stärker vermehren als heute und länger im Jahr bekämpft werden müssen.

Dem höheren Schädlingsdruck soll jedoch nicht primär mit einem vermehrten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln begegnet werden, da dies zu resistenten Populationen oder anderen unerwünschten Nebenwirkungen führen könnte. Vielmehr sind innovative Lösungen gesucht: „Wir sollten schon heute nachhaltige Strategien entwickeln, damit wir erfolgreich mit der zukünftigen Situation umgehen können“, so Jörg Samietz, Leiter der Zoologie bei Agroscope. Dabei werden gemäss Samietz „noch mehr Obstbaubetriebe auf die Pheromon-Verwirrung umstellen müssen, und die Förderung natürlicher Gegenspieler, also der Nützlinge, wird an Bedeutung gewinnen.“

Zur Bekämpfung des Apfelwicklers sind die Anwendung von gezielt wirkenden, möglichst umweltfreundlichen Methoden vorzuziehen. Dazu gehören: Die Pheromon-Verwirrung, bei der die Männchen mit Sexuallockstoffen überflutet werden und so die Weibchen nicht mehr finden, der gezielte Einsatz von Insektenwachstumsregulatoren, die Entwicklungsprozesse im Insekt stören sowie Viruspräparate, die ausschliesslich gegen den Apfelwickler wirken.

Weitere Informationen

Agroscope
MeteoSchweiz

Bild: Olaf Leillinge (Wikimedia Commons)

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