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    Andelfinger Naturschutzverein startet Feldlerchen-Grossprojekt

    • Benjamin Kämpfen
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    Der Andelfinger Naturschutzverein hat Grosses vor: Bedrohte Ackerbrüter sollen wieder zunehmen. Dank eines Beitrags aus dem Lotteriefonds kann das Projekt nun starten.

    Noch singen die Feldlerchen am Himmel über dem Zürcher Weinland. Doch auch hier wurden es in den letzten Jahren immer weniger. So waren Ende der 80er Jahren noch rund dreimal mehr Brutpaare in den nördlichen Gemeinden des Kantons Zürich zu finden, wie ein Blick in den Brutvogelatlas von BirdLife Zürich zeigt. Der Andelfinger Naturschutzverein, eine lokale Sektion des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz, möchte den langsamen und steten Rückgang aufhalten und hat dazu ein grosses Projekt gestartet. Nicht nur die Feldlerche, sondern auch andere Ackerbrüter wie Schafstelze oder Dorngrasmücke sollen von den Massnahmen profitieren.

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    Exkursionen sensibilisieren die Bevölkerung

    Angelaufen ist das Projekt schon vor einiger Zeit. Und sehr erfolgreich, wie die Initianten um Projektleiterin Beatrice Peter und Präsident Matthias Griesser sagen: «Im letzten Jahr konnten wir auf über 10 Hektaren Ackerfläche Massnahmen umsetzen». Dank eines Beitrags von 200’000 Franken aus dem Lotteriefonds des Kantons Zürich kann der Andelfinger Naturschutzverein nun die Hauptphase des Projekts starten. Diese soll vier Jahre dauern. Das Geld verpflichtet aber auch, sagt Matthias Griesser: «Noch ist das Projekt noch nicht zu 100% finanziert. Es fehlen noch mehrere Zehntausend Franken». Der Andelfinger Naturschutzverein ist deshalb noch auf der Suche nach finanzieller Unterstützung. Neben dem Lotteriefonds unterstützen auch die Standortgemeinden sowie mehrere Naturschutzvereine das Projekt.

    Der Naturschutzverein versucht die Anliegen der Landwirte mit den Ansprüchen der Zielarten zu kombinieren. Und wird dabei auch innovativ und kreativ. Die Gruppe erkannte beispielsweise, dass angesäte Buntbrachen zwar sehr wertvoll sind, für gewisse Vogelarten aber höhere Strukturen fehlen. Die Dorngrasmücke etwa fühlt sich in Buntbrachen wohl, aber nur, wenn auch noch einige Sträucher für den Nestbau in der Nähe stehen. Da Buntbrachen in der Regel nach spätestens acht Jahren umgebrochen werden, fehlen die Gehölze in aller Regel. Deshalb pflanzen die Weinländer Naturschützer nun Gehölze in Buntbrachen – so können diese schon früher von der seltenen Dorngrasmücke besiedelt werden. Auch wenn die Gebüsche wieder entfernt werden müssen, wenn die Buntbrache wieder einem Weizen- oder Maisfeld weichen muss, so haben sie dann doch einige Jahre einen guten Dienst für die gefährdeten Arten erfüllt.

    Zur Förderung der seltenen Vogelarten arbeitet der Naturschutzverein auch mit anderen Massnahmen. Landwirten wird das Saatgut für Buntbrachen oder Ackerschonstreifen gezahlt oder sie werden motiviert, den Weizen etwas weiter zu säen als üblich. Dies hilft der Feldlerche, welche am Boden Futter sucht und auch ihr Nest am Boden anlegt. Überhaupt ist die Beratung und Motivation der Landwirte ein wichtiger Pfeiler des Projekts. Nur zusammen mit ihnen können die Massnahmen umgesetzt werden. Im Weinland kommt aber erschwerend dazu, dass die Böden sehr produktiv sind. Wegen den guten Erträgen haben die Landwirte weniger Anreize, Ausgleichsflächen wie Buntbrachen anzulegen. Deshalb zahlt der Verein auch Unterstützungsbeiträge für solche Flächen.

    Weite Saat in einem Weizenfeld
    Weite Saat in einem Weizenfeld

    Doch wie kann ein lokaler Naturschutzverein ein Projekt mit einem Budget von 330’000 Franken bewältigen? Nicht auf ausschliesslich ehrenamtlicher Basis, sagt Griesser. Deshalb wird die Projektleiterin für ihre Arbeit entschädigt. Besonders für die Beratung der Bauern braucht es Fachwissen und viel Zeit. Daneben gebe es aber viele Tätigkeiten, die weiterhin von Freiwilligen ausgeführt werden. Dank dieses Modells ist der Andelfinger Naturschutzverein davon überzeugt, dass sich das Projekt erfolgreich entwickelt. Und dieser Erfolg ist zählbar: Mehr Feldlerchen, Schwarzkehlchen und Dorngrasmücken sollen in den Weinländer Äcker brüten.

    Mehr Infos zum Projekt: Andelfinger Naturschutzverein

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