Amsel

Amseln im Rampenlicht

  • Redaktion Naturschutz
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Die Amsel gehört zu den Vogelarten, die Städte erfolgreich besiedelt haben. Aber wer in der Stadt wohnt, muss sich an viele Dinge anpassen. So konnte beispielsweise gezeigt werden, dass Grossstadt-Amseln aufgrund des Strassenlärms lauter singen als ihre Kollegen auf dem Land (siehe naturschutz.ch vom 10.Januar). Aber nicht nur der Lärm der Stadt, sondern auch Straßenlaternen, Ampeln und die Wohnbeleuchtung haben, so vermutet man, einen Einfluss auf die Tierwelt.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell haben nun untersucht, wie sich die nächtliche Stadtbeleuchtung auf Amseln auswirkt. Dabei kam Erstaunliches zu Tage. Tiere, die nachts Lichtstärken vergleichbar mit Lichtintensitäten in Städten ausgesetzt sind, waren früher bereit zur Fortpflanzung: Ihr Testosteronspiegel steigt und ihre Hoden reifen früher im Jahr. Außerdem beginnen sie früher zu singen und zu mausern.

Welchen Einfluss aber hat das künstliche Licht auf die tages- und jahreszeitliche Organisation dieser Stadttiere? Um diese Frage beantworten zu können, muss man zuerst wissen, welche Lichtintensitäten Tiere in der Nacht wirklich ausgesetzt sind. Die Wissenschaftler um Jesko Partecke rüsteten deshalb mehrere Stadtamseln mit Lichtsensoren aus und massen, welchen Beleuchtungsstärken die Vögel durchschnittlich in der Nacht ausgesetzt waren. „Die Intensitäten waren nur ein Dreissigstel dessen, was eine typische Strassenlampe ausstrahlt“, sagt Jesko Partecke.

Doch selbst so geringe Werte reichen scheinbar aus, um die Keimdrüsen männlicher Amseln früher reifen zu lassen. Diese Ergebnisse zeigen deutlich, dass das Kunstlicht, welches wir in Städten vorfinden, die jahreszeitliche Organisation von Wildtieren drastisch verändern kann.

Weitere Informationen zur Amselstudie findet ihr hier!

Bild: Christian Ziegler © idw

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