Alte Sorten für neue Aufgaben

  • Silvan Kaufmann
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kartoffelnDie Apfelsorte „Uttwiler Spätlauber“ als Wundermittel gegen Hautalterung, eine Kreuzung aus zwei alten Kartoffelsorten für wunderschön blaue Pommes-Chips – in alten Nutzpflanzensorten werden immer wieder Eigenschaften entdeckt, die neue Bedürfnisse befriedigen. Deshalb lohnt es sich, diese Sorten zu erhalten auch wenn deren Nutzen auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist.

Lange fristete der Uttwiler Spätlauber ein Schattendasein – weder war er besonders schön noch schmeckte er angenehm süss. Im Gegenteil: er war äusserst sauer. Dafür ist die Apfelsorte, die bereits um 1750 im Kanton Thurgau nachgewiesen worden war, extrem lange lagerbar, ohne dass er runzlig wird. Da die Konsumenten aber nicht nach sauren, unschönen Äpfeln gefragt haben, ist die Sorte bis auf ein paar wenige Bäume verschwunden. ProSpecieRara kümmert sich seit gut 15 Jahren um die Sorte und bewahrte sie so vor dem vollständigen Verschwinden.
Findige Kosmetikexperten haben von der positiven Eigenschaft gehört und pflückten vor fünf Jahren im ProSpecieRara-Obstgarten von Hansrudolf Schweizer diese Äpfel. Mittlerweilen haben sie daraus ein Produkt, das sie als Wundermittel gegen die Hautalterung preisen, entwickelt. Selbst Michelle Obama, die amerikanische First Lady, soll laut einem Vogue-Bericht die Produkte aus dem Uttwiler Spätlauber verwenden. So hat es der einst verschmähte Apfel doch tatsächlich aufs Cover der amerikanischen Vogue geschafft.

Blaue St.Galler – alte Sorten neu gekreuzt
Blaue Kartoffeln gibt es schon lange. Blaue Kartoffeln aber, die beim Frittieren nicht unansehnlich braun werden, gab es noch nicht. Bis eben Christoph Gämperli, der Leiter der St.Gallischen Saatzuchtgenossenschaft, diese Lücke zu schliessen versucht hat. Er bediente sich der Kartoffelsorten „Blauer Schwede“ und der „Frühkartoffel Prättigau“, beides alte Sorten, die bei ProSpecieRara erhalten werden. Diese Sorten kreuzte er und nach langen Jahren der Auslese, des Testens und der amtlichen Prüfungen, wurde die neue Sorte „Blauer St.Galler“ auf die nationale Liste der gehandelten Kartoffelsorten aufgenommen. Schnell fanden sich Produzenten, die mit dieser einzigartigen Kartoffel blaue Chips herstellten. Seither wird die Anbaumenge Jahr für Jahr vergrössert um die steigende Nachfrage nach diesen exquisiten Chips, die beim Grossverteiler im Verkauf sind, decken zu können.

Es gibt zahlreiche weitere Beispiele von alten Nutzpflanzensorten, die heute aus unterschiedlichen Gründen wieder gefragt sind. Aus Rückbesinnung auf traditionell Bewährtes, wegen neu entdeckter Eigenschaften oder aus Lust auf Exquisites, fern ab vom Einheitsbrei des Mainstreams.

Pro Specie Rara

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