Feldlerche Vogel

Alle Vögel sind schon nicht mehr da

  • Nora Kieselbach
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Die Schweiz verlor seit 1990 rund 350‘000 Feldvögel, wie die Schweizerische Vogelwarte Sempach und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz in einer gemeinsamen Medienmitteilung schreiben. Die Agrarpolitik führte in den letzten 20 Jahren zu riesigen Verlusten bei den Brutvogelarten auf Äckern und Wiesen. Die Vogelwarte Sempach und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz rufen deshalb das Parlament dazu auf, die vom Bundesrat in der Agrarpolitik 2014-17 vorgeschlagenen Verbesserungen ohne Abstriche anzunehmen.

Erschreckend: in den letzten 20 Jahren hat die Schweiz rund 350‘000 bzw. 25 Prozent aller Feldvögel verloren. Dies berechnete die Schweizerische Vogelwarte Sempach aus den Bestandstrends von Vogelarten, die in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Schweiz erhalten und gefördert werden sollen. Dieses Ziel hatten die Bundesämter für Landwirtschaft (BLW) und Umwelt (BAFU) in ihren „Umweltziele Landwirtschaft“ vorgegeben.

Allein im Kanton Zürich verschwanden zwischen 1986/88 und 2008 vier Fünftel aller Feldlerchen. Aber nicht nur im Mittelland, wo viele früher häufige Arten aus den Wiesen und Äckern verdrängt wurden, ist ein Negativtrend zu beobachten; auch das Berggebiet ist seit einiger Zeit vom Rückgang der Landwirtschaftsvögel betroffen, berichtet Markus Jenny, Landwirtschaftsexperte der Vogelwarte. So seien zum Beispiel im Unterengadin die Bestände der Wiesenvögel innerhalb von 20 Jahren um die Hälfte eingebrochen.

Der Grund für das Vogelsterben: Die Agrarpolitik fordert von der Landwirtschaft zu wenig konkrete Resultate zum Erhalt der Biodiversität ein. Der Gegenwert für die jährlich rund 2,8 Mia. Direktzahlungen ist diesbezüglich völlig ungenügend. Mit jährlichen Pauschalbeiträgen von 865 Mio. Franken für die Haltung von Tieren wird ein Anreiz für zu hohe Tierbestände geschaffen. Dies führt zu einer Produktion, die nicht an den Standort angepasst und auf hohe Futtermittelimporte angewiesen ist. Die zu hohen Tierbestände verursachen eine eigentliche Nährstoffschwemme, welche die artenreichen Wiesen und mit ihnen die Schmetterlinge und Wiesenvögel zum Verschwinden bringt.

Zahlreiche, sehr positive Beispiele in der Landwirtschaft beweisen jedoch, dass die Schweizer Landwirtschaft durchaus in der Lage wären, eine standortgerechte Produktion von Nahrungsmitteln mit artenreichen Lebensräumen zu kombinieren („Brot und Blumen“). Wegen der geringen Anreize sind das bis heute aber Tropfen auf den heissen Stein.

Eine Hoffnung für die richtigen agrarpolitischen Anreize und für die Biodiversität im Landwirtschaftsgebiet bleibt: In den kommenden Wochen wird das Parlament über die Neuausrichtung der Schweizer Agrarpolitik debattieren. Der Vorschlag des Bundesrates wäre in den Augen des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach ein guter Kompromiss. Das Parlament wird daher dazu aufgerufen, in der kommenden Debatte die vom Bundesrat in der Agrarpolitik 2014-17 vorgeschlagenen Verbesserungen ohne Abstriche anzunehmen.

Wie Beatrix Mühlethaler via Infosperber.ch schreibt, mache jedoch zur Zeit insbesondere die SVP gegen die Umlagerung der Subventionen von Pauschal- zu Leistungsbeiträgen mobil und suggeriere, die Nahrungsmittelproduktion und damit die Versorgungssicherheit der Schweiz würden unter der neuen Agrarpolitik leiden.

So lud sie am vergangenen Wochenende mit dem Slogan „Heimische Nahrungsproduktion statt zusätzliche Förderung der Importe“ zu einer Bauern-Landsgemeinde ein. Damit hält sie hartnäckig an der Vorstellung fest, eine ökologische Bewirtschaftung degradiere die Bauern zu Landschaftsgärtnern und stelle die Bedeutung der Nahrungsmittelproduktion in Frage.

Modellrechnungen in der bundesrätlichen Botschaft zeigen jedoch, dass bei Leistungsbeiträgen neben dem Einkommen der Betriebe auch die Nahrungsmittelproduktion gemessen in Kalorien steigen würde. Grund dafür wäre unter anderem eine gesteigerte Getreideproduktion, die geringere Futtermittelimporte nach sich zöge. Der bundesrätliche Vorschlag für die Agrarpolitik 2014-17 würde somit die Abhängigkeit von Importen nicht erhöhen sondern senken – Weiter lesen.

Weitere Informationen

Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife
Schweizerische Vogelwarte Sempach

Bild: © Daniele Occhiato

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