Kühe

Agrarpolitik: Mehr für das Tierwohl tun

  • Dominique Haiden
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KüheNoch bis Ende Juni läuft die Vernehmlassung zur neuen Agrarpolitik. Grosser Streitpunkt: die Direktzahlungen. KAGfreiland, die schweizerische Nutztierschutz-Organisation, verlangt, dass in Zukunft die Direktzahlungen gezielt für tierfreundliche Ställe und für Auslaufhaltung eingesetzt werden. Die konventionelle Munimast, weil tierwidrig, soll keine Direktzahlungen mehr erhalten. Hingegen soll es neu Direktzahlungen für tierfreundlich gehaltene Kühe mit Hörnern geben, fordern 15 Organisationen mit total 550’000 Mitgliedern. Auch Der Schweizer Tierschutz STS kritisiert den Entwurf des Bundesrats für die Agrarpolitik 2014 – 2017 und fordert klare Nachbesserungen zur Förderung des Tierwohls.

„Mehr Tierwohl!“ ist das wichtigste Anliegen der Schweizer Konsumenten und Steuerzahler an Landwirtschaft und Agrarpolitik. Und das aus gutem Grund: Eine stärkere Gewichtung und Förderung des Tierwohls führt zu gesünderen Tieren und zu besseren und sicheren Schweizer Produkten. Trotzdem werden heute nur gerade 9 Prozent der Direktzahlungen – rund 2.5 Milliarden Franken pro Jahr – in das Tierwohl investiert. Die Konsequenz: Noch immer müssen Millionen von Nutztieren in der Schweiz ihr Dasein in ständiger beengter Stallhaltung, ohne adäquate Liegeflächen und ohne Auslauf ins Freie fristen.

Mit seinem Vorschlag für ein neues Direktzahlungssystem trägt der Bundesrat dem Tierwohl zuwenig Rechnung. Der Bundesrat geht mit seinem Vorschlag zu Art. 75, 1 sogar hinter die Formulierung im bestehenden Landwirtschaftsgesetz (LWG) zurück, indem er nur noch die Förderung besonders naturnaher, umwelt- und tierfreundlicher Produktionsformen, aber nicht mehr deren Ausdehnung festschreiben will. Das ist ein klarer Rückschritt.

Der STS kritisiert, dass obwohl die artgerechte Tierhaltung unverzichtbarer Teil der Qualitätsstrategie ist und das Tierwohl eine der tragenden Säulen der neuen Agrarpolitik sein soll, der Bundesrat unverständlicherweise keine konkreten Vorschläge für die bessere Förderung des Tierwohls macht. Aus Sicht des Tierschutzes sind bei der Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems folgende Massnahmen zu treffen: Es sollen klare Ziele für die Verbreitung besonders tierfreundlicher Haltungsformen festgelegt werden. Die bewährten BTS- und RAUS-Förderprogramme samt Haltungsanforderungen sollen ohne grundlegende Veränderungen weitergeführt werden und zudem soll ein weiteres Instrument zur Förderung neuer Tierwohl-Aspekte geschaffen werden. Ausserdem soll die Förderung Haltungsformen vorbehalten sein, wo eine regelmässige menschliche Überwachung und Pflege der Tiere gesichert ist. Zentral ist für den STS, dass die Förderung von Tierwohl-Leistungen die nicht marktfähigen Komponenten der jeweiligen Leistung adäquat abgilt.

KAGfreiland fordert konkret höhere Beiträge für Munimäster, die ihre Tiere in tierfreundlichen Ställen halten, neue Beiträge für Kühe und Ziegen mit Hörnern, verstärkte Förderung des regelmässigen Auslaufs von Mastpoulets und Kaninchen, insgesamt mehr Direktzahlungen für tierfreundliche Ställe und regelmässigen Auslauf und eine gezielte Förderung der Bio-Landwirtschaft, weil sie nachhaltig und tierfreundlich ist.

Weitere Informationen (Schweizer Tierschutz STS)

KAGfreiland

Bild: Richard Bartz, Munich Makro Freak (Wikimedia Commons)

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