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Achtung: Wildwechsel!

  • Nora Kieselbach
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Das Risiko von Wildunfällen steigt im Herbst stark an, wenn nach der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit am kommenden Sonntag der Berufsverkehr am Abend wieder meist in die Dämmerung fällt. Die Gefahr, dass kreuzende Tiere nicht rasch genug erkannt werden, ist besonders auf Landstrassen erhöht. Zumeist sind es Rehe oder Wildschweine, die Opfer von Wildunfällen werden. Doch auch viele andere Tiere wie frei laufende Katzen, Igel, Marder sowie Sing- und Greifvögel sind gefährdet. Um Schaden von Mensch und Tier zu vermeiden, ist vor allem eine vorsichtige Fahrweise und angepasste Geschwindigkeit notwendig, schreibt der Verein Wildtierschutz Schweiz.

Rehe sind besonders gefährdet, weil sie in beständiger Verhaltensweise von ihren nächtlichen Einständen auf Futtersuche auf Grünlandflächen, Raps- und Getreidefeldern gehen, nachdem sie sich im Winter zu Gruppen zusammengetan haben. Auch Reste von Streusalz – eine für Wildtiere hochwertige Nahrungsergänzung –  können sie an die Strassen locken.

Autofahrer kennen diese Situation: Früh hereinbrechende Dämmerung und schlechte Witterungsverhältnisse – plötzlich steht ein Reh auf der Fahrbahn und schaut in die Scheinwerfer. Ein 20 Kilogramm schweres Reh besitzt bei einer Kollision mit Tempo 100 ein Aufschlaggewicht von fast einer halben Tonne. Das Tier ist verletzt oder tot, der Wagen beschädigt, im schlimmsten Fall kommt es zu einem Personenschaden. Millionen von Wildtieren sterben so jedes Jahr im Strassenverkehr. Allein die Anzahl überfahrener Igel dürfte in die Hunderttausende gehen.

Autofahrer können jedoch durch eine defensive und umsichtige Fahrweise diesem Tierschutzproblem entgegenwirken und die erschreckend hohe Zahl von Tieropfern reduzieren: vor allem in Waldgebieten und auf Landstrassen sollte, insbesondere in der Nacht, Dämmerung und bei Nebel, 60 bis maximal 80 Stundenkilometer gefahren werden.So hat man noch die Möglichkeit, rechtzeitig zu bremsen, zu hupen und das Licht abzublenden, damit das Tier einen Fluchtweg finden kann. Beim Fernlicht fällt das Wildtier in eine körperliche Starre wegen dem Lichtkegel und kann nicht flüchten. Immer die Wald- und Strassenränder im Auge behalten und bremsbereit sein heisst die Devise. Und Achtung: ein Tier kommt selten allein! Wildschweine sind oft mit den ganzen Familien unterwegs. Taucht ein Wildtier im Scheinwerferlicht auf, sofort abblenden, bremsen und hupen! Ist ein Zusammenprall unvermeidlich, dann sollte der Fahrer das Lenkrad gut festhalten und geradeaus fahren. Ausweichmanöver können noch schlimmere Folgen haben – auch für andere Verkehrsteilnehmer. Ist trotzdem ein Wildunfall passiert, ist der Autofahrer ethisch und gesetzlich verpflichtet zu helfen.

1. Ein Haustier wurde angefahren
Generell gilt: Ruhe bewahren! Panik hilft dem Tier jetzt nicht. So sollte man vorgehen:

1. Unfallstelle absichern, damit kein anderes Fahrzeug in die Unfallstelle hineinfährt
2. Eine Decke ausbreiten
3. Das Tier vorsichtig auf die Decke legen
– Ist das Tier bei Bewusstsein: Mit einer Hand das Tier an der Nackenhaut festhalten; die andere Hand unter das Tier legen. Mit dem Nackengriff verhindert  man Abwehrreaktionen des Tieres
– Ist das Tier ohne Bewusstsein: Beide Hände unter das Tier legen; Kopf stützen vorsichtig auf die Decke legen; Zunge herauslagern, Herzmassage (durch mehrmaligen kurzen Druck auf den Brustkorb)
4. Anruf bei der Polizei: diese soll sofort die Adresse des nächsten diensthabenden Tierarztes oder einer Tierklinik heraussuchen
5. Du oder die Polizei: Sofort beim Tierarzt/der Tierklinik anrufen und das Tier dort vorbei bringen

2. Ein Wildtier wurde angefahren
Auch ein Wildtier, etwa ein Fuchs oder ein Reh, das angefahren wurde, darf auf keinen Fall unversorgt am Strassenrand zurückgelassen werden. Wildtiere sind in den allermeisten Fällen allerdings so schwer verletzt, dass sie an ihren Verletzungen sterben oder getötet werden müssen.Es besteht jedoch die gesetzliche Verpflichtung, bei einem Wildschaden noch vor Ort die Polizei zu informieren. Aber auch eine Person, die den Unfall nicht selbst verursacht hat, sollte nicht wegschauen, sondern handeln:

1. Unfallstelle absichern, damit kein anderes Fahrzeug in die Unfallstelle hineinfährt (Warndreieck, Warnblinker, Warnweste)
2. Anruf bei der Polizei oder Feuerwehr: Angaben zur Unfallstelle. Wichtig: Nicht die Unfallstelle verlassen bis die Rettungskräfte oder der Jagdausübungsberechtigte tatsächlich eingetroffen sind. Damit schliesst du aus, dass das Tier womöglich stundenlang an der Unfallstelle liegen bleibt. Sollte auch nach einer halben Stunde noch Niemand am Unfallort eingetroffen sein,erneut bei den Rettungskräften anrufen. Stelle sicher, dass wirklich jemand in angemessener Zeit an der Unfallstelle eintrifft
3. Bei verletzten Füchsen oder Rehen: Abstand halten, bis professionelle Hilfe eintrifft. Verletzte Füchse oder Rehe können sehr wehrhaft und unberechenbar sein und den Finder gegebenenfalls gefährden

Übrigens: Bis Ende des 19. Jahrhunderts lebten die Menschen in Europa noch im Einklang mit dem Sonnentag, wobei die lokale Kirchturmzeit Orientierung gab. Mit dem Durchbruch der Eisenbahn gab es ab 1893 die einheitliche Zeitzone einer mitteleuropäischen Zeit. Die Umstellung der Uhrzeit im Sommerhalbjahr, die es im Deutschen Reich und Österreich-Ungarn ab 1916 mit Unterbrechungen immer wieder gab, führten die EG-Länder infolge der Ölkrise ab 1977 und die Schweiz 1981 ein. Heute stellt man die Uhren ausser in der EU auch in 38 weiteren Staaten zweimal jährlich um.

Die Forderungen für eine Rücknahme der Sommerzeit mehren sich jedoch. In Russland und Türkei wird 2012 erstmals nicht mehr die Uhr verstellt. Den beabsichtigten Energiespareffekt gibt es gar nicht, hat das deutsche Umweltbundesamt unlängst gezeigt. In der EU ist die Diskussion seit einer Debatte 2007 jedoch wieder abgeflaut.

Weitere Informationen

Verein Wildtierschutz Schweiz

Bild: Nathanlarson32767 [Public domain] via Wikimedia Commons

 

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