© Gruppe Wolf Schweiz
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Abschuss des Wolfs ist keine nachhaltige Lösung

  • Kathrin Ruprecht
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Der Kanton Uri hat heute das Todesurteil gegen den Wolf im Isenthal gefällt. Der WWF Schweiz und die Gruppe Wolf Schweiz bedauert die Erteilung der Abschussbewilligung, weil ein Abschuss Probleme nur vertagt, statt sie zu lösen.

„Die Vorfälle auf der Alp Gitschenen zeigen klar, was passiert, wenn keine Schutzmassnahmen umgesetzt werden“, sagt Gabor von Bethlenfalvy, Grossraubtier-Experte beim WWF Schweiz. „Doch es ist längst klar: es braucht einen flächendeckend umgesetzten Herdenschutz. Es kann nicht sein, dass der Wolf immer wieder dafür bestraft wird, dass wir in der Schweiz unsere Hausaufgaben noch nicht gemacht haben“.

Alle gerissenen Nutztiere waren nicht optimal gegen Wolfsangriffe geschützt, was zu bedauern ist, schreibt die Gruppe Wolf Schweiz (GWS). Aufgrund der Tatsache, dass im Gebiet Isenthal jedoch bis Anfang Juni noch keine Wölfe festgestellt wurden, ist das Fehlen von Herdenschutzmassnahmen jedoch verständlich. Deswegen dürfen gemäss Wolfskonzept alle gerissenen Nutztiere für eine Abschussbewilligung gezählt werden. Die dort festgelegte Schadenschwelle wurde überschritten, weshalb die Abschussbewilligung vermutlich rechtmässig ist. Die GWS und der WWF werden die Grundlagen der Abschussbewilligung jedoch vertieft überprüfen. Abschüsse von Wölfen stellen keine langfristige Lösung dar, weshalb sie keine Alternative zum Herdenschutz bieten.

Dass ein gut umgesetzter Herdenschutz Nutztierrisse durch den Wolf unterbindet, zeigen Beispiele am Calanda: mitten im Streifgebiet des einzigen Wolfsrudels der Schweiz haben trotz ständiger Wolfspräsenz Risse durch Wölfe nicht zugenommen, schreibt der WWF. Der WWF fordert deshalb die Schafhalter auf, die Einrichtung von Herdenschutzmassnahmen nun voranzutreiben.

Mitarbeiter der GWS waren in den vergangenen Tagen selber vor Ort, um sich von der Situation der Schafsömmerung im Gebiet Isenthal ein Bild zu machen. Dabei wurde festgestellt, dass auf verschiedenen Alpbetrieben Sofortmassnahmen zum Schutz der Herden getroffen wurden. Allerdings weiden noch immer Schafe ungeschützt im Gebiet. Der Schutz dieser Schafe hat umgehend zu erfolgen, sei es durch Zäune, den Einsatz von Schutztieren oder durch Umplatzierungen. Die GWS wird den Aufbau des Herdenschutzes in diesem Gebiet beobachten und unterstützen.

WWF und die GWS sind überzeugt, dass der Abschuss von Wölfen keine permanente Lösung ist. Denn morgen könnte bereits ein neuer Wolf den Platz des erlegten einnehmen. Ein funktionierender Herdenschutz muss möglichst schnell aufgebaut werden.

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