@ Tschubby [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
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Die Thur ist endlich wieder frei           

  • Julia Hatzl
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2008 war der Spatenstich zum schweizweit grössten Renaturierungsprojekt, dem Thurauenprojekt. Am 23. September 2017 wurde das Projekt endgültig abgeschlossen und eingeweiht. Das spezielle am Thurauenprojekt ist, dass es Ziele unterschiedlicher Interessensgemeinschaften innerhalb eines Projekts miteinander verbindet.

Konkret wurden die folgenden vier Ziele verfolgt:

  • einen verbesserten Hochwasserschutz für Ellikon am Rhein und das Flaacherfeld
  • bessere Produktionsbedingungen im Flaacherfeld
  • eine ökologische Aufwertung der Thurauen im Sinne der Auenschutzverordnung
  • Erhaltung der Thurauen als Naherholungsgebiet

Während der vergangenen neun Jahre wurden vielfältige ökologische Aufwertungsmassnahmen am linken Rheinufer zwischen Ellikon am Rhein und der Rüdlingerbrücke durchgeführt. Die Thur kann durch die Aufwertungsmassnahmen nun freier fliessen, hat mehr Platz bekommen und bietet mehr Tieren und Pflanzen einen geeigneten Lebensraum. Zusätzlich sind die angrenzenden 50 Hektar Landwirtschaftsgrund besser vor Überschwemmungen geschützt und eine ansprechende Gestaltung lädt die Besucher zum Verweilen ein. Dank zweier Beobachtungsposten erhalten Besucher Einblick ins Gebiet, in welchem im Frühling und Herbst bald seltene Zugvögel wie der grosse Brachvogel, der Kampfläufer oder der Stelzenläufer auf den Sandbänken rasten können.

Natur als weiterer Bauherr

Doch der Ist-Zustand soll nicht so bleiben. Die Vegetation, die Sandbänke und Buchten sollen sich weiterentwickeln. Doch diese Weiterentwicklungen werden nicht durch den Menschen stattfinden, sondern durch die Natur selbst. Der Fluss ist in der weiteren Gestaltung sich selbst überlassen, der Mensch übernimmt nur die Funktion als Beobachter. Dem Fluss soll die Möglichkeit gegeben werden, wieder Dynamik in die Landschaft zu bringen.

Störung als Schlüsselelement für die Biodiversität

Die Natur ist kein statisches Gebilde, das immer den gleichen Charakter hat, mit der gleichen Artzusammensetzung und -anzahl. Für die Natur ist einer der wichtigsten Prozesse die Störung. Ein Störereignis kann ein Tier sein, das auf einer Wiese ein Loch in den Boden stampft, es kann ein umstürzender Baum im Wald sein, es kann aber auch grosse Dimensionen wie Feuer, Erdrutsche oder Überschwemmungen annehmen. Zusammengefasst kann man als Störereignis alles bezeichnen, was den Ist-Zustand eines Teils eines Systems verändert. Wenn Teile des Uferbereichs überspült werden, werden die dominierenden Pflanzenarten entfernt und es entsteht Platz für neue Arten sowie ein Mosaik an unterschiedlichen Lebensräumen.

Vielen der Schweizer Flüsse ist die Möglichkeit der Eigengestaltung und Dynamik durch Verbauung und Regulierung genommen worden. Es wird spannend zu sehen, was die Thur mit der neu gewonnenen Freiheit anstellen und wie sich die unmittelbare Umgebung in Zukunft verändern wird.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Website vom Naturzentrum Thurauen.

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