© IISD/ENB
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Abschluss der UNO-Biodiversitätskonferenz in Südkorea

  • Roman Vonwil
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Die UNO-Biodiversitätskonferenz in Südkorea ging am 17. Oktober zu Ende. Die Bilanz ist ernüchternd: Es braucht eine massive Verstärkung der Massnahmen, um die Biodiversität zu erhalten. Das gilt auch für die Schweiz, wie eine vergleichende Analyse der Natur- und Umweltorganisationen zeigt. Sie fordern ein rascheres Vorgehen gegen den fortschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt in der Schweiz und weltweit.

In Pyeongchang in Südkorea fand vom 29. September bis 17. Oktober 2014 die UNO-Biodiversitätskonferenz (Convention on Biological Diversity CBD) statt. Zwei Wochen lang haben die Delegierten aus 156 Ländern um Lösungen gerungen, um den weiterhin starken Rückgang der biologischen Vielfalt der Erde zu stoppen. Im Zentrum standen dabei die Biodiversitätsziele, die gemäss dem strategischen Plan der Konvention bis zum Jahr 2020 erreicht werden müssen. Dazu braucht es aber eine massive Verstärkung der Massnahmen, sonst kann die Biodiversität ihre für die Erde und die Menschheit lebenswichtigen Funktionen nicht mehr erfüllen.

Wie das BAFU mitteilte, sei das Erreichen der im Strategischen Plan für die Biodiversität 2011-2020 festgelegten Ziele nur möglich, wenn der Wert der Biodiversität und ihrer Ökosystemleistungen auch in anderen Politikbereichen wahrgenommen und miteinbezogen werde. Der am 6. Oktober 2014 veröffentlichte 4. Global Biodiversity Outlook rufe die Staaten dazu auf, Massnahmen zu ergreifen, und unterstreiche die Wichtigkeit der Biodiversitätsziele 2020 für die Reduktion von Hunger und Armut, die Verbesserung der menschlichen Gesundheit und eine nachhaltige Verwendung von Energie, Lebensmitteln und sauberem Wasser. Die UNO-Biodiversitätskonferenz fordere daher auch ausdrücklich die Aufnahme der biologischen Vielfalt in die zur Zeit in der UNO verhandelten Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals).

Dass die Massnahmen zum Erreichen der Biodiversitätsziele 2020 verstärkt werden müssen, gilt ganz besonders auch für die Schweiz, wie eine Analyse von Biodiversitätsexperten von SVS/BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz zeigt. Die Analyse mache deutlich, wo die Schweiz im Hinblick auf die Biodiversitätsziele 2020 Fortschritte gemacht hat – und wo nicht. Der Bericht der Natur- und Umweltorganisationen wurde auch dem Chef der Schweizer Delegation in Pyeongchang übergeben.

Das Resultat der Analyse: Die Schweiz stehe bei der Umsetzung der nötigen Massnahmen genauso schlecht da wie die anderen Länder der Welt. Werden die Massnahmen nicht sofort ergriffen und deutlich verstärkt, werde nur ein Bruchteil der Biodiversitätsziele 2020 erreicht. Möglich wären immerhin zwei Drittel Zielerreichung – aber nur, wenn die nötigen Mittel und Ressourcen bereitständen. SVS/BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz fordern deshalb, dass die Schweiz umgehend mit der Umsetzung der dringenden zusätzlichen Massnahmen beginne und die nötigen Mittel bereitstelle.

Dies umso mehr, als die Schweiz bisher noch gar nicht mit der Umsetzung der nötigen zusätzlichen Massnahmen begonnen habe. Sie sei noch immer in der Planungsphase, und nach wie vor fehle ein Aktionsplan, der zeige, wie man die 2012 beschlossene Strategie Biodiversität umsetzen will.

Die Natur- und Umweltorganisationen fordern, dass der Aktionsplan Biodiversität jetzt rasch vom Bundesrat beschlossen und umgesetzt werde. Nur so werde es möglich, dass die Schweiz wenigstens zwei Drittel der Biodiversitätsziele bis 2020 erreichen kann und für die restlichen Ziele die Voraussetzungen für eine baldige Zielerreichung schafft.

 

1 Kommentar

  • Christine Dobler Gross

    Ja, leider ist das typisch…in der Planungsphase, da kann man schöne texte und Broschüren mit Absichten und Organigrammen und solchem mehr produzieren, jahrelang, und auf der Umsetzungsebene passiert nichts. Leider sind die hochengagierten meist Freiwillige, die sich unbezahlt für die Natur ins Zeugs legen, für Werterhaltungen und Aufbesserungen, welche eigentlich zu den Aufgaben des Staates gehört. Dieser Aspekt der Freiwilligenarbeit müsste mal genau untersucht und denen kommuniziert werden, welche die Gelder nicht sprechen wollen und so verhindern, dass die stattlichen Aufgaben im Naturschutz erfüllt werden können. Damit tragen sie bei, dass die bezahlten Naturschützer ständig am Anschlag und chronisch überfordert sind mit dieser undankbaren Aufgabe, zu wenig bewirken zu können.

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