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Abgase zerstören Blütenduft

  • Sophie Ryser
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Bienen sind für uns überlebenswichtig. Sie bestäuben einen Grossteil der Pflanzen, deren Produkte wir als Nahrung benötigen. Pestizide, Milben und Monokulturen haben ihre Zahlen bereits schrumpfen lassen. Nun könnten ihnen auch noch Abgase zum Verhängnis werden.

Bienen finden Blüten mithilfe ihrer Augen und dem Duft. Zuerst nehmen sie die Blüte optisch wahr, sie registrieren ihre Form und Farbe. Dann nehmen sie auch den individuellen Duft der Blüten wahr. Sie lernen, diesen mit dem Nektar und den Pollen zu assoziieren und speichern ihn. Später sind sie dann in der Lage, Blüten auch schon aus weiterer Distanz an ihrem Geruch zu orten.

Tracy Newman und Kollegen von der University of Southhampton haben nun untersucht, was passiert, wenn diese Duftortung gestört wird. Ihr Verdacht war, dass die Luftverschmutzung, besonders Abgase von Dieselfahrzeugen die Duftorientierung der Bienen stört. Denn trotz Katalysatoren und Abgasnormen machen Dieselabgase noch immer einen grossen Teil der Luftverschmutzung aus. Diese Abgase enthalten Stickoxide, welche chemisch sehr reaktiv sind.

Die Auswirkung auf Bienen wurde von den Forschern im Labor getestet. Zuerst bauten sie den Duftcocktail von blühendem Raps aus acht chemischen Verbindungen nach. Dieser wurde in zwei luftdichte Behälter gegeben, in einen davon wurden zudem Dieselabgase geleitet. Mithilfe der kombinierten Gaschromatographie-Massenspektrometrie wurde anschliessend in regelmässigen Abständen die Konzentration der acht Verbindungen gemessen. Derselbe Test wurde mit reinem Stickoxid durchgeführt. Bereits nach wenigen Minuten waren zwei „Rapsduftbausteine“ in der verschmutzen Luft nicht mehr nachweisbar. Etwas später nahmen zwei weitere Verbindungen ebenfalls stark ab. Der Versuch mit dem reinen Stickoxid lieferte dasselbe Ergebnis, dies scheint also der dafür verantwortliche Bestandteil der Abgase zu sein.

Um zu überprüfen, was dies für die Bienen bedeutet, führten die Forscher mit ihnen einen Geruchstest durch. Honigbienen wurden sowohl dem unveränderten Duftgemisch als auch den von Abgasen und Stickoxid zersetzten Gemischen ausgesetzt. Dann wurde beobachtet, ob sie ihren Saugrüssel ausstrecken, was die Reaktion auf einen verlockenden Blütenduft darstellt. Dies war bei der unveränderten Mischung auch der Fall, jedoch nicht bei den zersetzten Gemischen. Diesen Duft erkannten sie also nicht mehr als Blütenduft.

Die Forscher warnen, dass dies schwerwiegende Folgen für die Bestäubung haben könnte. Wenn die Bienen Blüten nicht mehr auf Anhieb von weitem orten können, würden Sammelflüge viel weniger effektiv, weniger Pflanzen könnten bestäubt werden. Da die Menschen aber darauf angewiesen sind, könnte dies für uns ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Problem bedeuten.

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Bild: Luis Miguel Bugallo Sánchez [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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