16. November 2009 | Abfall und Recycling

1. Zürcher Carrotmob

carotmobStatt Umweltsünder zu bestrafen, belohnt ein Carrotmob Unternehmen, die in Ökologie investieren.
Der 1. Zürcher Carrotmob findet am 28. November von 12 Uhr bis 21 Uhr in einem Quartierladen in Wipkingen statt. Die Ladenbesitzer haben sich verpflichtet, 35 Prozent des Tagesumsatzes in ökologische Massnahmen zu investieren.

Nur und Ferman Yesil erhielten nach einem Bietverfahren den Zuschlag für den 1. Zürcher Carrotmob*. 35 Prozent des Tagesumsatzes vom 28. November werden die Besitzer des Wipkinger Quartier-Market an der Röschibachstrasse 73 dafür investieren, ihr Ladengeschäft umweltfreundlicher zu gestalten. Rund 10 Läden wurden im Herbst für das Bietverfahren angefragt. Der «Zweitplatzierte» stieg bei 32 % aus.

Der Deal ist einfach: Die Organisatoren des Carrotmobs sorgen dafür, dass an diesem Tag die ganze Stadt vom Carrotmob weiss und hoffentlich sehr viel neue Kundschaft im Laden ihre Wochenendeinkäufe erledigen wird. Ziel: Zwar investieren die Ladenbesitzer Geld in Umweltmassnahmen, trotzdem sollte ihnen am Schluss des Tages soviel Geld bleiben wie an einem üblichen Tag. Für die Abgabe von 35 Prozent des Tagesumsatzes haben sich die Ladenbesitzer aber ungeachtet des Erfolgs vertraglich verpflichtet. Sprich: Sie tragen auch ein gewisses Risiko.

Organisiert wird der Carrotmob von einer sechsköpfigen Gruppe Privater aus Zürich, die sich via Facebook zusammengefunden hat. Unterstützend zur Seite steht der Energiefachmann Jürg Nipkow von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz. Er hat den Quartierladen begutachtet und mit den Ladenbesitzern festlegt, welche Öko-Massnahmen aus dem gewonnenen Geld realisiert werden. Denkbar ist, dass alte Kühlgeräte durch effizientere, Strom sparende ersetzt werden. Oder auch, dass der Laden in sein Sortiment neue Bio- oder Regio-Produkte aufnimmt. Die effektiven Massnahmen werden nach dem Carrotmob festgelegt, wenn bekannt ist, wie viel Budget zur Verfügung steht.

Die Carrotmob-Gruppe aus Zürich möchte mit ihrer Aktion eine Bewegung anstossen, die vielleicht dereinst so weit ist, dass sich grosse Konsumentengruppen zu einer Art ökologischem Powerbuying zusammenschliessen und beispielsweise einen grossen Autokonzern dazu bewegen, ein massentaugliches Solarauto auf den Markt zu bringen. Zuerst aber wollen die Organisatoren zeigen, dass man auch im Kleinen anfangen kann. Und dass Umweltschutz auch noch Spass machen kann: Beim Carrotmob macht nicht nur der Quartier-Market mit. Das benachbarte Café Belmondo erklärte sich spontan dazu bereit, Glühwein zu spendieren. Und im Wipkinger Restaurant «Nordbrücke» werden Kaffee und Bier zur Feier des Tages zum Sonderpreis angeboten.

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* Carrotmob ist eine Idee aus Amerika: Das Unternehmen Virgance aus San Francisco entwickelt Ideen, die Öko-Massnahmen auch wirtschaftlich belohnen. Unter dem Slogan «The Business of Activism» entstand die Idee Carrotmob. Jeweils eine Gruppe von Freiwilligen oder eine Organisation organisiert an einem bestimmten Tag einen Carrotmob, beispielsweise in einem Lebensmittelladen, oder auch in einer Bar, einem Einkaufszentrum. Für diesen Tag wird dazu aufgerufen, an einem bestimmten Ort einzukaufen. Mit dem entsprechenden Shopbesitzer wird vorab verhandelt, welchen Anteil vom Tagesumsatz er danach in Öko-Massnahmen seines Ladens investiert, beispielsweise in Stromsparlampen, bessere Isolierung, neue Kühltruhen.

 www.carrotmob-zuerich.ch

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