© Tabea Tandler
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Das Jugendparlament zur Alpenkonvention fordert mehr Umweltbildung in den Alpenräumen

  • Kathrin Ruprecht
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Hochwasserschutz, Erholungsraum, landwirtschaftliche Produkte – die Natur versorgt die Menschen mit lebenswichtigen Gaben. Wie können diese Leistungen sichergestellt werden? Diese Frage beschäftigte die TeilnehmerInnen des Jugendparlaments zur Alpenkonvention in Kamnik. Eine zentrale Forderung war die verstärkte Sensibilisierung der Menschen gegenüber der Natur. 

Die Leistungen, die Naturräume für Menschen erbringen, können kaum in Euro oder Franken beziffert werden, berichtet recharge.green. Sie sind unermesslich. Genau deshalb müssen diese so genannten Ökosystemleistungen bei raumplanerischen und gesetzgeberischen Entscheidungen berücksichtigt werden. Dafür braucht es Wissen und Bewusstsein. Zwischen Naturschutz und der Produktion erneuerbarer Energien zu vermitteln, ist ein Ziel des internationalen Projekts recharge.green. Welchen Wert messen junge BewohnerInnen der Alpen den Naturräumen zu? Einen Eindruck vermittelte das Jugendparlament zur Alpenkonvention, Youth Parliament to the Alpine Convention (YPAC), das von 16. bis 20. März 2015 im slowenischen Kamnik stattfand.

Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren aus allen Alpenländern diskutierten über die Möglichkeiten, wie die Ökosystemleistungen sichergestellt werden können. Das Resultat ist eine Resolution mit zehn Forderungen zu den Themen Boden, Ernährung, Wald und kulturelles Erbe. Die slowenischen PartnerInnen von recharge.green lieferten das Fachwissen. Zum Schluss prüften die Jugendlichen ihre Forderungen «auf Herz und Nieren» im Dialog mit VertreterInnen der Politik und der Alpenkonvention. Die CIPRA begleitete diesen Austausch und übernahm einen Teil der Öffentlichkeitsarbeit des YPAC.

Jugendliche als Vorbilder für Alpenbürger

Die Botschaft von recharge.green ist sehr wohl bei den Jugendlichen angekommen, wie die engagierten Diskussionen in den Komitees und an der Generalversammlung des YPAC zeigten. Mehr noch: Ihre Ideen und ihr Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Naturhaushalt und menschlichem Wohlergehen gehen weit über den politischen Rahmen hinaus, den das Jugendparlament vorgibt. Ihre Lösungsvorschläge tangieren viele Lebensbereiche und zeugen von einem Verantwortungsbewusstsein, das auch vielen Erwachsenen gut anstehen würde. Gian Maria Tessarolo, Delegierter aus Bassano di Grappa, Italien, brachte es auf den Punkt: «Wir sollten Wald als Teil unseres Lebens betrachten, denn wir sind Bürger der Alpen.»

Sich der Naturwerte bewusst werden

Eine zentrale Forderung der Jugendlichen ist, dass der Bewusstseinsbildung mehr Gewicht eingeräumt wird. Die Menschen in den Alpen müssten vermehrt dafür sensibilisiert werden, wie wertvoll Naturräume und deren «kulturelles Erbe» sind. Damit gehen die JungpolitikerInnen einig mit der «hohen» Politik. Milan Brglez, Präsident des nationalen slowenischen Parlaments, wo die Generalversammlung des YPAC stattfand, betonte in seiner Begrüssungsrede: «Vor allem brauchen wir einen Gesinnungswandel um zu erkennen, dass die Natur nicht nur wegen ihrer Pflanzen und Tiere geschützt werden muss, sondern auch unserer selbst willen.» Er zeigte den Handlungsbedarf im Naturschutz insbesondere in Zeiten des Klimawandels auf.

Wie die Botschaften der Jugendlichen in Fachkreisen ankommen, das werden die YPAC- Teilnehmenden von 20. bis 21. Mai 2015 erfahren: Sie erhalten dann die Gelegenheit, ihre Forderungen an der Schlusstagung von recharge.green in Sonthofen, Deutschland, vorzustellen.

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