© Dzivnieku briviba [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Pelzdeklaration immer noch mangelhaft

  • Kathrin Ruprecht
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Der Zürcher Tierschutz zieht Bilanz zwei Jahre nach Inkraftsetzung der Pelzdeklarationsverordung. Noch immer sind Pelzartikel häufig falsch oder überhaupt nicht angeschrieben. Auch der Aufruf zum freiwilligen Verzicht auf Echtpelz wird nur von wenigen Modehäusern aufgenommen. Aufgrund dieses Deklarations-Notstandes fordert der Zürcher Tierschutz ein schweizweites Importverbot für Pelze und Pelzprodukte.

Der Zürcher Tierschutz berichtet über die Erfolge und Misserfolge der Kampagne Kampagne «echt Pelz – echt grausam».

Am 1. März 2015 hat sich die neue Pelzdeklarationsverordnung gejährt: Sie wurde 2013 mit einem Jahr Übergangsfrist in Kraft gesetzt. Im Rahmen der Kampagne «echt Pelz – echt grausam» hat der Zürcher Tierschutz am 18.11.2014 die Deklarationsmängel bei Jelmoli, PKZ und Globus kritisiert und einen freiwilligen Verzicht auf Echtpelz gefordert. Trotz Beteuerungen, die Mängel sofort zu beheben, fand der Zürcher Tierschutz bei diesen Unternehmen zwei Monate später weitere Deklarationsmängel und vermisst eine klare Positionierung gegen tierquälerische Pelzprodukte. Jelmoli beruft sich auf das «Marktbedürfnis».

Immerhin: Globus verzichtet auf Pelz aus Käfighaltung und PKZ streicht Echtpelz bei den Eigenmarken. Doch Recherchen zeigen, dass die Unternehmen durch die Deklarationspflicht überfordert sind. Daher unterstützt der Zürcher Tierschutz den politischen Weg, die Forderung nach einem nationalen Importverbot für Pelz. Die gute Nachricht: Mode Bayard will 2015 «fur-free» werden, Vögele ist es seit kurzem – bravo!

Die Pressemitteilung des Zürcher Tierschutz vom 18.11.2014 und der gleichentags erschienene Kassensturz-Bericht verdeutlichen das grosse Tierleid hinter Pelz aus Käfighaltung oder Fallenfang. Die Reaktionen der Modehäuser auf die Kritik enttäuschen weitgehend.

Jelmoli und PKZ halten an Pelz fest

Obwohl in der Pressemitteilung im November durch den Zürcher Tierschutz hart kritisiert, enttäuschen beide Unternehmen in ihren Reaktionen. Jelmoli setzt auf eigene Etiketten für mehr Transparenz, ist aber weiterhin nicht fähig oder willens, die Pelzdeklarationsverordnung korrekt umzusetzen. Es sind zwar weniger Mängel als im November zu verzeichnen, aber insgesamt immer noch zu viele. Eine Einschränkung des Pelzangebotes steht nicht zur Diskussion, weil es einem «Marktbedürfnis entspreche». Dem Unternehmen fehlt jedes ethisch-tierschützerische Bewusstsein.

PKZ hat neuerdings auch eigene Etiketten an den Pelzprodukten angebracht und immerhin versprochen, bei den Eigenmarken «Paul» und «Paul Kehl» künftig auf Echtpelz zu verzichten. Zudem seien den Lieferanten «sehr strenge Regeln bezüglich Tierhaltung» auferlegt worden. Was auch immer das heissen mag. Klar ist: Eine tierschützerisch vertretbare Pelztierzucht gibt es nicht!

Globus und Modissa verzichten auf Pelze aus tierquälerischer Käfighaltung

Im November wurde auch Globus durch den Zürcher Tierschutz kritisiert. Das Unternehmen zeigte sich daraufhin gesprächsbereit. Globus will künftig Pelzprodukte dank zusätzlichen Etiketten deutlicher deklarieren und auf Pelze aus Käfighaltung verzichten. Das Pelzsortiment umfasst nur wenige Premium-Produkte, die einem internen Freigabe-Prozess unterliegen. Zum letzten Schritt, einem vollständigen Verzicht auf Echtpelz, ist Globus leider nicht bereit und das obwohl Globus zum Migros-Konzern zählt, der längst pelzfrei ist. Hierzu Nadja Brodmann, Leiterin der Pelz-Kampagne des Zürcher Tierschutz: «Die Migros wird unglaubwürdig, wenn sie ihre eigenen Tierschutzversprechen nicht im ganzen Konzern durchsetzt.»

Jean Pierre Kuhn, CEO von Modissa, reagierte sehr offen auf die Anliegen des Zürcher Tierschutz und hat entschieden, auf tierquälerischen Pelz zu verzichten und stattdessen auf Schweizer Rotfuchs aus einheimischer Jagd zu setzen. Der Zürcher Tierschutz begrüsst diesen Beschluss als ersten Schritt in die richtige Richtung. Da sich der Fuchsbestand aber durch die Jagd nicht nachhaltig regulieren lässt, lehnt der Zürcher Tierschutz diese Abschüsse ab. Das Ziel muss letztlich sein, ganz auf Echtpelz zu verzichten.

Vögele, Mode Bayard und Manor: Verzicht auf Qualpelz

Vögele verzichtet seit über 5 Jahren auf Echtpelz im Sortiment. Nun ist Vögele im Februar 2015 dem «fur free retailer program» beigetreten. Auch Mode Bayard bereitet sich auf «fur free» vor: Das Unternehmen, zu dem renommierte Geschäfte wie Ehrbar, Krause, Schaad, Mix und Wartmann zählen, will bis Herbst 2015 die letzten Pelzprodukte abverkauft haben. Bereits jetzt werden keine mehr bestellt, um baldmöglichst der «fur free retailers»-Liste beitreten zu können. Die Unternehmensleitung ist zuversichtlich: «Wir rechnen mit einer Einbusse in der Höhe von 1-2 % des Umsatzes. Der Verzicht ist in der Sache richtig, das können wir ökonomisch verkraften.»

Manor beschloss im 2014 ebenfalls, auf tierquälerischen Pelz zu verzichten. Die Geschäftsleitung will aber nicht «fur free» werden, weil sie auf Kaninchenfelle aus tiergerechter Fleischproduktion hofft. Da Felle von Mastkaninchen aber qualitativ weit unter denjenigen von Pelzkaninchen liegen, ist diese Hoffnung illusorisch. Der Zürcher Tierschutz fordert Manor auf, sich Mode Bayard zum Vorbild zu nehmen.

Deklaration überfordert Modehäuser – Profit geht vor.

Es gibt noch eine Vielzahl von Modehäusern mit grossem Pelzangebot. Aufgrund der Stichproben in ver- schiedensten Geschäften kommt der Zürcher Tierschutz zu einem eindeutigen Schluss: Je grösser das Pelzangebot, desto mehr Deklarationsfehler – das zeigt sich am Beispiel Jelmoli. Doch der Zürcher Tierschutz ist keine Kontroll-Organisation und schweizweit rigorose Kontrollen durchzuführen dürfte auch das BLV als Kontroll-Instanz vor grosse Probleme stellen. Das wissen auch die Modehäuser und hoffen wohl, sich den Aufwand einer korrekten Pelzdeklaration und einer Schulung des Personals sparen zu können.

Zürcher Tierschutz fordert Pelz-Importverbot

Zwei Jahre nach Inkraftsetzung der neuen Pelzdeklarationsverordnung und ein Jahr nach Ablauf der Übergangsfrist sind noch immer viele Pelzartikel falsch oder gar nicht angeschrieben. Aufgrund dieses Deklarations-Notstandes fordert der Zürcher Tierschutz ein schweizweites Importverbot für Pelze und Pelzprodukte – analog zum Importverbot für Hunde-, Katzen- und Robbenfelle. Der Zürcher Tierschutz unterstützt daher die politischen Bestrebungen in diese Richtung, wie z.B. die laufende Petition der Tier- partei Schweiz (TPS) für ein Pelz-Importverbot. Zudem fordert der Zürcher Tierschutz von allen Politikerinnen und Politikern in Bern, die ein ethisches Bewusstsein haben, sich aktiv für ein Pelz-Importverbot einzusetzen.

Hier finden Sie eine Liste der Fur-free Modehäuser.

 

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1 Kommentar

  • Antonietta

    Auf engstem Raum in Gitterkäfige zusammengepfercht, werden Millionen von Tieren wie Nerze, Füchse oder Chinchillas gehalten und getötet, um als modische Jackenkragen oder Fellverzierungen zu dienen.

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