60 Prozent der Wasserentnahmen noch heute ohne Restwasser!

  • Redaktion Naturschutz
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Weiterhin werden laut Pro Natura hunderte von Bächen durch ihre wirtschaftliche Nutzung trocken gelegt. Unterhalb von Stauwehren verkommen sie zu Rinnsalen. Die vorgeschriebene Sanierung dieser Restwasserstrecken stockt. Neue Zahlen des BAFU und eine Studie der EAWAG untermauern gemäss Pro Natura diesen Befund. Bundesrat und Parlament schauen dabei untätig zu.

Am 25. Juli 2007 publizierte das Bundesamt für Umwelt BAFU die Schweizer Restwasserkarte. Diese weist auf Basis der kantonalen Inventare Wasserentnahmestellen entlang der Fliessgewässer aus. Doch obwohl die kantonalen Inventare gemäss Gewässerschutzgesetz bereits seit 15 Jahren fällig sind, fehlen bei rund der Hälfte der Fassungen Angaben zu den Restwassermengen. Es kommt aber laut Pro Natura noch schlimmer: „60% der mit Angaben versehenen Fassungen werden mit sage und schreibe Null Restwasser betrieben, das heisst die Bäche sind komplett trocken gelegt“, schreibt die Umweltorganisation. Und: Es könne angenommen werden, dass die Situation bei den Wasserfassungen ohne Angaben ähnlich, wenn nicht sogar schlimmer sei.

Ausserdem: nicht weniger als 1118 Entnahmenstellen wurden vor dem Inkrafttreten des Gewässerschutzgesetzes (1991) bewilligt. Solche alten Wasserentnahmestellen müssen gemäss Gesetz beurteilt und, falls nötig, bis 2012 von den Kantonen ökologisch saniert werden. Doch die kürzlich erschienene Studie «Wasserkraftnutzung und Restwasser» der EAWAG zeigt laut Pro Natura, dass der Vollzug der Sanierungen nur sehr schleppend vorankommt. Erst 120 Sanierungen wurden verfügt. Pro Natura: „Geht der Vollzug wie bisher weiter, werden die Ziele des Gewässerschutzes weit verfehlt.“ Für Pro Natura ist klar: „Das bestehende Vollzugsdefizit widerspricht dem Verfassungs- und Gesetzesauftrag und dem Willen der Stimmbevölkerung.“ (sb)

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