Leder

60 Firmen verzichten auf Reptilienleder

  • Dominique Haiden
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Im Februar 2011 startete der Schweizer Tierschutz STS eine Kampagne gegen die Verwendung von exotischen Reptilienledern (Python, Waran) in der Schweizer Uhrenindustrie. Sämtliche Mitglieder des Verbands der Schweizer Uhrenindustrie FH wurden aufgefordert, eine vom STS aufgesetzte Verzichtserklärung zu unterschreiben und sich somit von der Verwendung tierquälerischer Produkte für menschliche Extravaganz zu distanzieren. Auf der Homepage des STS können sich interessierte UhrenkäuferInnen jetzt vorab informieren, welche Firmen ihre Verantwortung gegenüber dem Wohl der Tiere und gegenüber der Artenvielfalt ernst nehmen.

Bis heute haben rund 60 Uhrenfirmen (unter ihnen die Swatch Group mit so bekannten Marken wie Swatch, Omega, Longines oder Breguet; sowie weitere bekannte Marken wie Chopard, Hugo Boss, Tag Heuer und Tommy Hilfiger) die Verzichtserklärung des STS unterschrieben. Diese Firmen haben grösstenteils noch nie problematische Leder verwendet und werden dies auch künftig nicht tun, obschon damit viel Geld zu machen wäre. Ebenso erfreulich ist aber auch die Tatsache, dass einige Firmen, die bisher problematische Leder in grösserem Umfang verwendeten, die Produktion von Uhren mit Schlangenarmbändern aufgrund der STS-Kampagne einzustellen und dafür sogar einen wirtschaftlichen Schaden und den Verlust von Stammkunden zu riskieren bereit sind. Hier geht die Bucherer Montres S.A. mit gutem Beispiel voran.

Obschon der STS etliche Uhrenfirmen ein zweites Mal anschreiben musste, haben über 100 Mitglieder des Verbands der Schweizer Uhrenindustrie bis heute nicht auf die Verzichtserklärung reagiert – darunter bekannte Namen wie Chanel, Louis Vuitton oder Nina Ricci Montres. Die Liste jener Firmen, welche die Anfrage nicht beantwortet haben, oder die die Verzichtserklärung aus unterschiedlichen Gründen nicht unterschreiben konnten oder wollten, ist ebenfalls auf der Homepage des Schweizer Tierschutz STS einsehbar. Befremdlich erscheint dem STS zudem die Tatsache, dass einige der antwortenden Firmen zwar selber keine problematischen Leder verwenden, aber nicht im Zusammenhang mit einer Tierschutzorganisation genannt werden wollen. Offenbar besteht in der Branche immer noch eine grosse Hemmung, sich mit den ethischen Fragen zur „Rohstoffbeschaffung“ und gewissen problematischen Kundenwünschen auseinander zu setzen. Die Firmenlisten des STS sollen es den ums Wohl der Tiere besorgten KundInnen nun ermöglichen, beim Kauf von Modeartikeln (Uhren, aber auch Handtaschen, Schuhe) jene Marken zu unterstützen, welche ihre Verantwortung gegenüber dem Tierwohl wahrnehmen und jene Marken zu meiden, bei welchen nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie auch weiterhin am Leid von Tieren verdienen.

Weitere Informationen (Schweizer Tierschutz STS)

Firmenlisten

Bild: Hirsch Armbänder GmbH (Wikimedia Commons)

1 Kommentar

  • Antonietta

    Wonach die wenigsten jedoch fragen, ist die Herkunft des Leders. Reptilienleder wie Python und Waran stammt vielfach aus Asien und die Tiere sind häufig Wildfänge, die dem Jäger einer Python zwischen 5 und 25 € pro Stück einbringen. Anschließend in Säcken zum Abdecker transportiert und dort bei lebendigem Leibe, mit Hammerschlägen betäubt, wird den Tieren buchstäblich die Reptilienhaut „über den Kopf“ gezogen.
    Artenschutz, Tierschutz und ähnliches spielt hierbei keinerlei Rolle, denn die Tiere sind für den europäischen Modemarkt bestimmt, der hierfür eine große Nachfrage aufweist. Vor allem Italien und Frankreich sind Hauptabnehmer dieser Reptilienhäute, um anschließend Modeartikel für den europäischen Markt zu fertigen.

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