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5 Sterne für das Bergwaldprojekt

  • Daniela Cervenka
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Als die „neuen fünf Sterne am Alpenhimmel“ wird Sawiris Luxushotel Chedi in Andermatt in den Medien angepriesen. Für den Schutzwald über dem Dorf aber gibt es keine Schlagzeile. Und auch nicht für die unzähligen Schutzwälder im Alpenraum, die Siedlungen, Strassen und Schienen vor Lawinen schützen. Die notwendige Wald-Pflege würde auch eine Auszeichnung verdienen. Darum: Fünf Sterne für die 2’000 Freiwilligen des Bergwaldprojektes, die jedes Jahr für die Erhaltung des Schutzwaldes in der Schweiz „chrampfen“!

Die grossen Veränderungen in Andermatt sind in aller Munde. Die Milliarden-Investitionen des Ägypters Samih Sawiris versprechen dem Bergdorf den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung. Milliarden hin oder her – auch „Neu-Andermatt“ mit dem Chedi wird vom Schutzwald abhängig sein. Trotzdem berichtet kaum jemand von diesem Wald. Obwohl er einer der ältesten Bannwälder Europas ist. Bereits 1397 verbot ein Bannbrief darin das Fällen von Bäumen. Auch die Zufahrt wäre ohne Schutzwälder unmöglich, wie Hans J. Jenni, CEO der Betreibergesellschaft des Chedi, im Tagesanzeiger vom 15.01.2014 feststellt: „Im Unterschied zu den Schwesterhotels auf Bali und in Oman führt der Weg nach Andermatt nicht durch bezaubernde tropische Landschaften oder durch faszinierende Wüstengegenden, sondern über eine verschneite, kurvenreiche Strasse, die gegen Steinschlag und Lawinen geschützt ist.“

Das Bergwaldprojekt ist im Jahr 2014 zwar nicht in Andermatt, aber an 40 anderen Orten im Berggebiet im Einsatz. Die Teilnehmenden pickeln und sägen eine Woche freiwillig für das gemeinsame Ziel: Den Schutzwald erhalten und ihm Gewicht in der Öffentlichkeit geben. Sie bauen zum Beispiel einen Begehungsweg, damit der Jungwald über einem Dorf für die Pflege effizient erreichbar ist. Sie errichten Dreibeinböcke, damit der Schnee die jungen Bäume nicht abknickt. Oder sie setzen Vogelbeeren und Ahorne, weil ein vielfältiger Wald stabiler ist. Die Eindrücke während der Woche gehen unter die Haut: Die Füsse der Freiwilligen vergessen die mühevollen Schritte im steilen Hang nicht, die Muskeln nicht das anstrengende Entasten mit der Axt und die Augen nicht den atemberaubenden Blick ins Tal. Die Erlebnisse verdichten sich zur bleibenden Erkenntnis: Es lohnt sich, in den Bergwald zu investieren.

Natürlich bietet das Bergwaldprojekt kein 5-Sterne-Hotel. Doch eine Forsthütte auf 2000 Metern hat schon Manchen verzaubert, der Blick in den echten Sternenhimmel ebenso. Die Vollwert-Küche über dem Feuer nimmt es locker mit Sushis & Co auf. Und das Portemonnaie eines Millionärs ist auch nicht notwendig: eine Bergwaldprojekt-Woche ist für die Freiwilligen kostenlos.

Freiwillig mitmachen beim Bergwaldprojekt!

Bild: Hrouda at the Czech language Wikipedia [GFDL], vom Wikimedia Commons

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