© Bild von Magne Flåten CC-BY-SA-3.0 via Wiki Commons
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Die Nordfledermaus

  • Stefanie Pfefferli
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Im Rahmen des „Jahr der Fledermaus“ 2011 stellt die Stiftung Fledermausschutz Schweiz monatlich eine Fledermausart vor. Die letzte vorgestellte Art in diesem Jahr ist die Nordfledermaus. Das gut isolierende und zottige Fell der Fledermaus verrät alles: Selbst nördlich des Polarkreises fühlt sich die Nordfledermaus wohl. Bei uns in der Schweiz ist sie die typische Fledermausart im Gebirge und Hochgebirge bis weit über 2000 m Höhe. Zoologen bezeichnen dieses Verbreitungsmuster als Arcto-Alpine-Disjunktion. Als sich vor rund 10‘000 Jahren die Gletscher zurückzogen, folgten ihnen die Nordfledermäuse: Einerseits nordwärts an den Polarkreis und andererseits in die hohen Gebirgslagen. Die Nordfledermaus hat ihr Leben angepasst an kurze heisse Sommer und lange kalte Winter.

Allein aus dem Engadin sind mehr als zwei Dutzend Nordfledermauskolonien bekannt und auch die Jurahöhen und deren Ausläufer sagen ihr zu. Im Mittelland fehlt sie oder taucht nur ab und zu herumstreifend im Frühjahr und Herbst auf. Ihr Leben hat sie ganz und gar an das raue Klima ihrer Heimat angepasst. Die kurzen Sommer reichen ihr zur Jungenaufzucht, denn bereits nach drei Wochen unternimmt der frisch flügge Nachwuchs erste Jagdflugversuche. Die Kinderstuben befinden sich hauptsächlich unter Ziegel- und Blechdächern und in südexponierten Fassadenspalten und profitieren so von der heftigen Sonneneinstrahlung der kurzen Bergsommer. Voraus geht ein ausgeklügeltes Timing: Bei kühler Witterung im Mai und Juni fallen die trächtigen Weibchen in tiefen Torpor und zögern so die Geburt der Jungen wochenlang bis zum optimalen Geburtstermin hinaus. Wochenstubenkolonien umfassen oft 50 und mehr Weibchen. In ihren zur Wochenstubenzeit meist kleinen und nahe dem Kolonieversteck gelegenen Jagdgebieten verhalten sich Nordfledermausweibchen oft territorial, vertreiben Artgenossinnen und sichern sich so genügend Beute. Nach der Wochenstubenzeit hat es jahreszeitlich witterungsbedingt ein weniger dichtes Insektenangebot und die Nordfledermäuse erweitern ihre Jagdflüge. Dann können sie in grosser Zahl weit verteilt im ganzen Alpenraum bei ihren bereits in der frühen Dämmerung beginnenden Jagdflügen beobachtet werden. In diese Zeit fällt auch die Paarung. Die Männchen haben den Sommer solitär verbracht, oft versteckt in den Steindächern der Alphütten und auch Baumhöhlen bieten ihnen Unterschlupf. Jetzt in der Zeit des herbstlichen grossräumigen Herumfliegens balzen die Männchen mit Zirpen und Schauflügen um die Gunst der Weibchen. Mit dem Einzug der Winterkälte verschwinden die Beuteinsekten und die Nordfledermäuse ziehen sich in frostsichere Felsspalten zurück. Dort überdauern sie, von ihren Fettreserven zehrend, die lange, kalte Jahreszeit im tiefen Winterschlaf. Die Weibchen haben sich zwar im Herbst verpaart, doch sind sie noch nicht trächtig, denn sie speichern die Spermien den Winter über im Uterus. Erst im Frühjahr findet die Befruchtung statt und der Jahreszyklus schliesst sich. Nordfledermäuse können ein Dutzend Jahre alt und älter werden.

Bild: Magne Flåten (Wikimedia Commons)

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