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Zu wenig Schutz für die Unterwasserwelt

  • Stefanie Pfefferli

MuschelAnlässlich des heutigen Wattenmeertages kritisiert der WWF, dass die Unterwasserwelt des Wattenmeeres immer noch kaum geschützt sei. Obwohl das Gebiet seit rund 25 Jahren Nationalpark ist mit dem ausdrücklichen Ziel, eine ungestörte Entwicklung der Natur zu ermöglichen, wird die Fischerei als grösster Eingriff in die Unterwasserwelt des Wattenmeeres kaum beschränkt. Auch für die Fischerei selbst sei dies fragwürdig, denn in den flachen Meeresgebieten des Wattenmeeres wachsen viele Jungfische von Arten heran, die eine wichtige Grundlage für die Fischerei in der Nordsee sind, aber teilweise als Beifang schon im Wattenmeer abgefischt werden.

Heute kommen beim „Wattenmeertag 2011“ rund 75 Wissenschaftler, Behördenvertreter und Verbandsvertreter aus Deutschland, den Niederlanden und Dänemark zusammen, um die aktuelle Situation des Schutzes der Fische im Wattenmeer zu besprechen. Derzeit ist die Fischerei im Wattenmeer nach Einschätzung des WWF noch nicht naturverträglich: So ist allein die Krabbenfischerei mit über 300 Kuttern in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden unterwegs. Sie müsse sich stärker auf die Bereiche auf der Seeseite der Inseln verlegen statt im geschützten Wattenmeer zu fischen, wo zuviel Beifang an Jungfischen und zahlreichen anderen Tieren anfällt und der Meeresboden beeinträchtigt wird. Auch müsse die Kutterflotte viel kleiner werden, damit diese Fischerei naturverträglich wird und nicht ständig mehr fischt, als der Markt überhaupt aufnehmen kann.

Auch die Miesmuschel-Fischerei müsse noch viel tun. Ein grosser Teil der natürlichen Muschelbänke, die zugleich Riffe sind, müssen aus Sicht des WWF völlig in Ruhe gelassen werden. Importe von Miesmuscheln aus anderen Ländern, mit denen künstliche Muschelflächen im Watt gefüllt werden, müssen gestoppt werden. Dieser Import ist laut WWF mit erheblichen Risiken verbunden, denn in Begleitung der Muscheln reisen andere Arten mit: Sie haften an ihnen, schwimmen als Larven im Begleitwasser, oder leben als Parasiten in den Muscheln. Stets sind darunter gebietsfremde Arten, die so mit unabsehbaren ökologischen Folgen in neue, von ihnen noch nicht besiedelte Gebiete eingeschleppt werden können.