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Die Turteltaube gilt nun als weltweit gefährdet. | © Glyn Sellors

40 Vogelarten sind neu weltweit gefährdet

  • Judith Schärer
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Die globale Rote Liste der Vögel zeigt, welche Arten weltweit gefährdet sind oder kurz vor dem Aussterben stehen. Seit 2014 mussten insgesamt 40 Arten neu aufgenommen oder eine Stufe höher eingeteilt werden. Auf der weltweiten Roten Liste stehen auch Arten, die in der Schweiz vorkommen – so die Turteltaube oder die Tafelente.

Turteltauben gelten als Symbol der Liebe und des Glücks. Die kleinen gurrenden Tauben erscheinen seit Jahrtausenden auf Bildern und in Erzählungen, und umgangssprachlich sagt man, verliebte Menschen „turtelten“ miteinander. Doch selber haben die Turteltauben derzeit wenig Glück: Sie werden immer seltener und haben weltweit 30 Prozent ihres Bestandes verloren – in nur 16 Jahren. Daher gilt die Art nun als weltweit gefährdet, wie die neuste globale Rote Liste der Vögel 2015 zeigt. Diese wurde kürzlich von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) und von BirdLife International veröffentlicht.

Nicht nur Turteltauben erfahren derzeit wenig Liebe und Glück – auch 39 weitere Arten mussten in die globale Rote Liste aufgenommen oder in eine höhere Kategorie eingestuft werden, wie BirdLife mitteilt. Dies bedeutet, dass die Gefahr des Aussterbens für diese Arten in den letzten Jahren weiter gestiegen ist. Betroffen sind viele Geier-Arten, aber auch Watvögel oder ganz spezielle Vögel wie der Schildhornvogel und zwei Arten von Darwinfinken. Insgesamt stehen nun 1519 Arten oder rund 15% aller Vogelarten auf der globalen Roten Liste, davon sind 217 Arten vom Aussterben bedroht.

Auch einheimische Vögel sind weltweit gefährdet

Auch der Status einiger Vogelarten, die in der Schweiz regelmässig vorkommen, hat sich verschlechtert. Bei den Brutvögeln sind dies Turteltaube und Tafelente sowie Wiesenpieper, Kiebitz und Eiderente. Hinzu kommen sechs Arten, die in der Schweiz nur als Durchzügler oder Wintergäste vorkommen. Insgesamt stehen nun 6 einheimische Arten auf der weltweiten Roten Liste.

Afrikas Geier in grosser Gefahr

Eine besonders schwierige Zukunft steht den Geiern Afrikas bevor. 6 der 11 Geierarten des Kontinents mussten in der neuen Roten Liste in eine höhere Kategorie eingestuft werden. So gelten nun der Kappengeier, der Weissrückengeier, der Wollkopfgeier oder der Sperbergeier als vom Aussterben bedroht. Gründe dafür sind der Habitatverlust, aber auch gezielte Vergiftungen oder Abschüsse. Zudem werden die Körperteile in der traditionellen Medizin gebraucht. Ein Problem ist auch die Verwendung des Wirkstoffs Diclofenac in der Tiermedizin: Fressen die Geier Kadaver von behandelten Nutztieren, sterben sie. Jetzt, wo das Ausmass der Rückgänge bekannt sei, sei es dringend, Massnahmen gegen das Geiersterben in Afrika zu treffen, lässt BirdLife verlauten. Noch bleibe Zeit dafür, und es seien alle gefordert: Naturschützer und Gesetzgeber, Regierungsbehörden und Menschen vor Ort. Nur so könne es eine Zukunft geben für die Geier in Afrika.

„Mit dem Niedergang der Geier wird Afrika seiner berühmtesten und spektakulärsten Vögel beraubt. Doch der Rückgang hat auch direkte Auswirkungen auf den Menschen, weil die Geier durch die Säuberung von Aas mithelfen, die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.“

Dr. Julius Arinaitwe, Direktor des Afrika-Programmes von BirdLife International

 

Der Weissrückegeier gilt nun als vom Aussterben bedroht. | © Andy and Gill Swash (World Wildlife Image)
Der Weissrückegeier gilt nun als vom Aussterben bedroht. | © Andy and Gill Swash (World Wildlife Image)

23 Arten geht es besser

Die gute Nachricht ist, dass mit der neuen Roten Liste weltweit 23 Arten in eine weniger hohe Kategorie eingestuft werden konnten. In einigen Fällen geschieht dieses „Downgrading“, weil die Vorkommen der Arten heute besser bekannt sind als noch vor einem Jahr. Teilweise sind die Arten aber auch weniger stark gefährdet, weil Schutzmassnahmen anliefen und Erfolg zeigen – so etwa beim Seychellen-Rohrsänger oder beim Chathamsturmvogel.

Hier finden Sie detailliertere Informationen von BirdLife International zum Thema >>

Hier gelangen Sie zur Internationalen Roten Liste >>

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